
Hallenkühlung optimieren: Adiabate Systeme im Vergleich
Gewerbebetriebe müssen Arbeitsstättenrichtlinie ASR A3.5 einhalten. Erfahren Sie, wie adiabate Kühlung und Kaltwassersätze die thermische Last in Hallen minimieren.
Thermische Herausforderungen in Fertigungs- und Lagerhallen
Großvolumige Hallenbauten weisen aufgrund offener Hallentore, hoher interner Wärmelasten durch Maschinenparks und starker solarer Einstrahlung über Hallendächer spezifische kältetechnische Anforderungen auf. Steigende Sommertemperaturen und die Vorgaben der Arbeitsstättenrichtlinie (ASR A3.5) zur Begrenzung von Raumtemperaturen zwingen Gewerbebetriebe zur Installation strukturierter Kühlkonzepte. Im Mittelpunkt stehen dabei Lösungen, die Betriebskosten minimieren und strenge Effizienzvorgaben der novellierten F-Gase-Verordnung erfüllen.
Adiabate Kühlung: Prinzip und Einsatzbereiche
Die adiabate Kühlung nutzt den physikalischen Prozess der Verdunstungskälte (Evaporationskühlung). Dabei wird feinst vernebeltes Wasser in den Zuluftstrom oder an einem Wärmetauscher verdunstet, wodurch der Umgebungsluft sensible Wärme entzogen wird.
Zu unterscheiden ist zwischen direkter und indirekter adiabater Kühlung:
- Direkte adiabate Verdunstung: Die Zuluft strömt direkt durch das befeuchtete Medium. Dies führt zu einer spürbaren Temperaturabsenkung, erhöht jedoch die absolute Raumluftfeuchte. Für reine Logistik- und Montagehallen ist diese Variante oft wirtschaftlich, da sie ohne synthetische Kältemittel auskommt und nur geringe elektrische Hilfsenergie für Ventilatoren und Pumpen benötigt.
- Indirekte adiabate Verdunstung: Über einen rekuperativen Platten- oder Rotationswärmetauscher wird die Abluft befeuchtet und gekühlt, welche anschließend die wärmere Außenluft abkühlt, ohne deren Feuchtigkeitsgehalt zu verändern. Dieser Ansatz eignet sich für feuchteempfindliche Produktionsprozesse oder papierverarbeitende Betriebe.
Kaltwassersätze für punktgenaue und hohe Lastprofile
Reicht das Feuchtkugeltemperatur-Niveau für eine rein adiabate Absenkung an heißen Sommertagen mit hoher Außenluftfeuchte nicht aus, bilden Kaltwassersätze (Chiller) das Rückgrat der Hallenklimatisierung. Diese erzeugen zentral kaltes Wasser mit Vorlauftemperaturen zwischen 6 °C und 16 °C. Die Kälteverteilung erfolgt über Deckenstrahlplatten, Gebläsekonvektoren oder zentrale Lüftungsgeräte (RLT-Anlagen).
Moderne Kaltwassersätze arbeiten bevorzugt mit natürlichen Kältemitteln wie Propan (R290) oder Ammoniak (R717) sowie Kältemitteln mit niedrigem Treibhauspotenzial (Low-GWP). Durch Inverter-geregelte Schrauben- oder Scroll-Verdichter passen sie die Kälteleistung stufenlos an den variierenden Hallenbedarf an. In vielen Hybridkonzepten dient ein adiabater Rückkühler zur Vorkühlung des Kaltwasserkreislaufs, was die elektrische Leistungsaufnahme des Verdichters signifikant reduziert.
Gebäudeautomation als Schlüsselkomponente
Erst eine übergreifende Mess-, Steuer- und Regelungstechnik (MSR) sichert die Wirtschaftlichkeit kombinierter Anlagen. Über speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) und Standardprotokolle wie BACnet oder Modbus analysiert das Gebäudemanagementsystem kontinuierlich Raumtemperatur, Enthalpie und Hallenbelegung.
In den kühlen Nacht- und Morgenstunden schaltet das System auf freie Kühlung um, indem die Hallenluft ausschließlich über Außenluftumwälzung gespült wird. Bei Spitzenlasten werden adiabate Vorbefeuchtungsstufen bedarfsgerecht aktiviert, bevor die Kaltwassersätze zugeschaltet werden. Eine dynamische Schichtungserkennung (Destratifikation) über Deckenventilatoren verhindert zudem, dass sich Kältezonen ungleichmäßig am Hallenboden absetzen.
Bildverweise
- 1.Bild: Eigene grafische Darstellung / Redaktion Klimacorner
- 2.Quelle: Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Fachverband Gebäude-Klima e. V. (FGK)
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