Moin Leute, ich brauche mal einen Rat zu meiner gewerblichen Kühlzelle. Seit der feuchten Witterung in den letzten Tagen habe ich extremen Eisansatz am Verdampfer, obwohl die Sollwerte unverändert sind. Die Türdichtungen habe ich bereits geprüft, die sind absolut dicht, daran liegt es also nicht. Ich habe das Gefühl, dass die Abtauintervalle, die über den Timer laufen, bei der aktuell hohen Luftfeuchtigkeit einfach nicht ausreichen. Macht es Sinn, hier auf eine bedarfsgerechte Abtauung umzurüsten, die über die Temperaturdifferenz oder eine Eisfühler-Logik arbeitet? Bisher läuft das alles rein zeitgesteuert, was im Hochsommer wunderbar funktioniert hat, aber jetzt bei dem Nebel am Morgen offenbar an seine Grenzen stößt. Könnt ihr mir da ein bestimmtes System oder einen Controller empfehlen, der sich einfach in eine bestehende Steuerung integrieren lässt? Ich würde das Problem gerne angehen, bevor mir die Eisschicht den Luftstrom komplett abwürgt und der Verdichter unnötig gegen den Widerstand kämpft. Danke euch vorab.
Verdampfervereisung bei hoher Luftfeuchtigkeit im Herbst
Moin Jens, das Problem kennen wir aus der Praxis nur zu gut. Wenn die Zeitsteuerung starr auf sommerliche Bedingungen optimiert ist, kapituliert sie bei dem aktuellen Tauwetter kläglich. Die Umrüstung auf eine bedarfsgerechte Abtauung ist absolut sinnvoll und eigentlich sogar Standard bei modernen gewerblichen Anlagen. Ich empfehle dir hier den Einsatz eines Eisfühlers, der direkt am Lamellenpaket sitzt. Damit steuerst du die Abtauung rein über die tatsächliche Vereisung. Das spart nicht nur Energie, sondern schont auch das Material. Achte bei der Montage aber zwingend darauf, dass du gemäß ChemKlimaschutzV agierst. Da du in den Kältekreis eingreifst, darf das im gewerblichen Bereich ohnehin nur zertifiziertes Personal durchführen. Hol dir für den Einbau am besten eine Elektrofachkraft dazu, die die Schaltlogik sauber in die Steuerung einbindet.
Guten Tag Herr W., als Planer sehe ich diese Thematik häufiger im Rahmen energetischer Sanierungen. Neben der reinen Steuerungslogik stellt sich bei Ihnen auch die Frage, ob die Taupunktverschiebung durch die herbstliche Feuchtigkeit eventuell auf ein energetisches Defizit an anderer Stelle hinweist. Zeitgesteuerte Abtauzyklen sind bei wechselnden Witterungsbedingungen energetisch suboptimal. Ich würde Ihnen empfehlen, neben der Eisfühler-Logik auch die elektrischen Heizleistungen der Abtauung kurz zu validieren. Falls Sie an eine Modernisierung denken, prüfen Sie, ob Ihre Gesamtanlage die aktuellen Anforderungen der VDI 4645 erfüllt. Sollten Sie im Zuge des Umbaus größere Komponenten tauschen, könnten je nach Anlagentyp und Ausführung unter Umständen Förderprogramme für energieeffiziente Kältetechnik greifen. Eine Dokumentation des Energieverbrauchs vor und nach dem Umbau ist hierbei für Ihre Unterlagen und die Effizienzprüfung sehr ratsam.
Danke für die schnellen Rückmeldungen! Das hilft mir bei der Entscheidungsfindung enorm weiter. Markus, der Tipp mit dem Eisfühler am Lamellenpaket leuchtet mir ein, das werde ich so umsetzen. Ich werde das Projekt zeitnah mit einem Fachbetrieb besprechen, da ich die rechtlichen Aspekte der ChemKlimaschutzV natürlich nicht missachten möchte. Dieter, das ist ein guter Punkt mit der Dokumentation. Ich werde den Stromverbrauch der Abtauheizung mal loggen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel Energie wir im aktuellen 'Blindflug' verschwenden. Dass die VDI 4645 hier eine Rolle spielen könnte, hatte ich so gar nicht auf dem Schirm – ich werde den Kollegen vom Fachbetrieb bitten, das bei der Einbindung der Steuerung direkt mit zu prüfen. Danke für die fachliche Einordnung, das bringt mich ein großes Stück weiter.
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