Guten Tag zusammen. Ich betreibe seit diesem Herbst eine R290-Luft-Wasser-Wärmepumpe in meinem sanierten 1970er-Jahre Haus mit klassischer Heizkörperauslegung. Bisher habe ich bei den aktuellen Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt eine nächtliche Absenkung der Vorlauftemperatur um 4 Grad programmiert. Morgens braucht das System jedoch extrem lange, um die Zieltemperatur wieder zu erreichen, was sicher zu höheren Stromverbräuchen führt. Da die Wärmepumpe aufgrund der Vorlauftemperatur dann morgens unter hoher Last läuft, verschlechtert sich mein COP spürbar. Wäre es effizienter, die WP stattdessen durchlaufen zu lassen oder die Absenkung deutlich flacher zu wählen, um die thermische Trägheit der Bausubstanz besser zu nutzen? Mich würde interessieren, ob hier jemand ähnliche Beobachtungen gemacht hat. Ich freue mich über einen fachlichen Austausch zur optimalen Heizkurvenanpassung in der Übergangszeit bei Bestandsbauten. Vielen Dank vorab für Ihre Einschätzungen.
Optimierung der Nachtabsenkung bei Luft-Wasser-WP im sanierten Altbau
Guten Tag Thomas, herzlich willkommen im Forum. Als SHK-Meister kann ich Ihnen aus der Praxis sagen, dass Ihr Problem bei Wärmepumpen in Bestandsbauten ein Klassiker ist. Die Nachtabsenkung stammt noch aus Zeiten fossiler Kessel mit hoher Vorlauftemperatur und träger Verbrennung. Bei modernen Luft-Wasser-Wärmepumpen, besonders mit R290-Kältemittel, ist ein Durchheizen fast immer effizienter. Wenn Sie die Absenkung wählen, zwingen Sie die Anlage in den Morgenstunden in den Teillast- oder gar Volllastbereich, um die Temperaturdifferenz auszugleichen. Das drückt den COP-Wert massiv nach unten. Mein Rat: Versuchen Sie es mit einer leichten Absenkung von maximal 1 bis 2 Grad oder schalten Sie die Absenkung komplett ab. Die thermische Trägheit Ihres sanierten Hauses wird Ihnen dabei helfen, die Raumtemperatur stabil zu halten.
Vielen Dank, Markus für die schnelle Rückmeldung. Das deckt sich mit meinen Vermutungen, auch wenn ich bisher skeptisch war, ob das Durchheizen bei den aktuellen Strompreisen nicht doch teurer ist. Was mich aber beschäftigt: Wie verhält sich das im Hinblick auf den hydraulischen Abgleich, den ich nach GEG-Vorgaben durchgeführt habe? Wenn ich das System durchlaufen lasse, verändert sich ja das Anströmverhalten der Heizkörper. Muss ich die Heizkurve insgesamt flacher einstellen, um nicht zu überheizen?
Hallo Thomas, ich betreibe seit zwei Jahren eine R290-WP in meinem sanierten 80er-Jahre Haus. Ich habe die Nachtabsenkung komplett deaktiviert und die Heizkurve im gleichen Zug um 0,2 Punkte abgesenkt. Der Effekt war bei mir sofort messbar: Die Pumpe taktet viel weniger und läuft tagsüber fast durchgehend mit niedriger Modulation. Das ist für den Inverter der Wärmepumpe wesentlich schonender und spart auf Dauer durch den gleichmäßigen Betrieb deutlich mehr Strom als das nächtliche Abschalten. Probieren Sie doch mal aus, die Heizkurve schrittweise anzupassen, bis Sie bei den aktuellen Temperaturen Ihre Wohlfühltemperatur gerade so erreichen. Das ist für den COP das Beste, was Sie tun können.
Kurz und knapp von mir dazu: Vergessen Sie bei Wärmepumpen die klassische Nachtabsenkung. Wir planen das bei Neubauten und auch bei sanierten Objekten nach VDI 4645 grundsätzlich nicht mehr ein. Die Einsparung durch die Absenkung wird durch die Effizienzverluste beim Aufheizen komplett aufgefressen. Wenn Sie Komforteinbußen befürchten, können Sie die Zieltemperatur nachts um ein Grad reduzieren, aber mehr macht keinen Sinn. Denken Sie daran, dass Ihre Wärmepumpe bei den kalten nächtlichen Temperaturen ohnehin am schwersten arbeiten muss. Da ist es physikalisch klüger, die Last über den Tag zu verteilen, anstatt das System morgens mit Gewalt gegen die niedrigen Außentemperaturen ankämpfen zu lassen.
Danke auch an Sabine und Jürgen für die klaren Worte. Das klingt nach einer sehr nachvollziehbaren Strategie. Ich werde ab heute Abend die Absenkung vollständig entfernen und die Heizkurve im ersten Schritt minimal anpassen. Eine Frage bleibt mir noch: Wie lange sollte ich das System nach der Umstellung beobachten, bevor ich an der Heizkurve weiter drehe? Ich habe das Gefühl, das Haus reagiert sehr träge, was bei der Dämmung ja auch zu erwarten ist. Lohnt es sich, hier mit einem Protokoll der Stromverbräuche zu arbeiten?
Thomas, lassen Sie sich Zeit. Die thermische Trägheit von Altbauten ist Ihr größter Verbündeter. Geben Sie dem System nach einer Änderung mindestens 48 Stunden Zeit, bevor Sie wieder an der Heizkurve drehen, sonst vergleichen Sie Äpfel mit Birnen. Ein Protokoll der Stromverbräuche ist super, aber noch wichtiger ist die tägliche Außentemperatur und die Raumtemperatur, die Sie tatsächlich erreichen. Ich habe das letztes Jahr auch penibel dokumentiert. Wenn Sie das Monitoring über den Winter durchziehen, sehen Sie genau, bei welcher Außentemperatur Ihr System die ideale Effizienz erreicht. Es ist ein wenig Spielerei, aber für die Optimierung des COP absolut lohnenswert. Viel Erfolg bei der Testphase!
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