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KlimaCorner

Kältemittelleitungen nach der Winterpause: Muss das Vakuum neu geprüft werden?

von Markus S. · 04.11.2026, 06:05 · 31 Aufrufe · 6 Antworten

Markus S. · 04.11.2026, 06:05

Hallo zusammen, ich habe meine Multi-Split-Anlage nach der letzten Heizsaison im Frühjahr vorübergehend stillgelegt, da ich den Kältemittelkreislauf aus Sicherheitsgründen trennen wollte. Da wir nun Ende November bereits die ersten harten Fröste hatten, frage ich mich, ob eine einfache Wiederinbetriebnahme nach der langen Standzeit ohne vorherige Prüfung des Vakuums ratsam ist. Ich bin unsicher, ob über die Ventile oder die Bördelverbindungen über die Monate hinweg eventuell minimale Mengen Kältemittel entwichen sind oder ob Feuchtigkeit durch Druckschwankungen bei den herbstlichen Temperaturschwankungen in das System gelangen konnte. Es geht mir hier vor allem um die Langlebigkeit des Kompressors. Ist es fachlich zwingend erforderlich, erneut eine Druckprüfung mit Stickstoff und ein Evakuieren durchzuführen, oder reicht eine Sichtprüfung der Verbindungen? Ich möchte ungern den Kompressor riskieren, nur weil ich ein paar Euro für den Service sparen wollte. Wie handhabt ihr das bei euren Anlagen nach der Standzeit?

Andreas K. · 04.11.2026, 06:06

Hallo Markus, als SHK-Meister kann ich Ihnen hier eine klare Empfehlung geben. Wenn das System fachgerecht installiert wurde, ist eine Druckprüfung nach der Stilllegung nicht zwingend erforderlich, sofern das System komplett verschlossen war. Die ChemKlimaschutzV schreibt für Kälteanlagen zwar strenge Regeln vor, aber eine Dichtheitsprüfung nach einer einfachen Winterpause ohne Eingriff in das System ist nicht vorgeschrieben. Achten Sie jedoch penibel auf die Bördelverbindungen. Ein Blick auf Ölaustritt ist meist ausreichend, da Kältemittelverlust bei gut ausgeführten Verbindungen physikalisch kaum über Temperaturschwankungen allein auftritt. Sollten Sie jedoch Zweifel an der Dichtheit haben, ist die Stickstoff-Druckprüfung der einzig sichere Weg. Eine Evakuierung ist nur notwendig, wenn das System geöffnet war, um die Feuchtigkeit zu entfernen. Da Sie das System lediglich stillgelegt haben, reicht oft eine Sichtprüfung. Gehen Sie auf Nummer sicher, wenn Sie ein ungutes Gefühl haben, aber Panik ist meist nicht angebracht.

Sandra B. · 04.11.2026, 06:06

Hi Markus, danke für die gute Frage! Ich bin auch Hauseigentümerin und habe bei meiner Multi-Split das gleiche Thema. Mein Installateur meinte damals bei der Abnahme, dass man die Ventile vor dem Winter fest zudrehen soll. Wenn das System dicht war, ist es auch nach dem Winter dicht. Ich mache nur eine Sichtprüfung und prüfe mit einem Lecksuchspray, ob an den Verschraubungen Blasen entstehen, wenn das Gerät wieder unter Druck steht. Ich finde, man sollte nicht übertreiben. Wenn die Anlage korrekt nach VDI 4645 in Betrieb genommen wurde, sind die Bördelverbindungen absolut sicher. Ich habe mir für ein paar Euro ein einfaches Lecksuchspray besorgt und gehe im Frühjahr kurz die Verbindungen ab. Das gibt mir das nötige Sicherheitsgefühl, ohne dass ich direkt einen Profi für eine komplette Evakuierung bestellen muss. Viel Erfolg beim Neustart!

Markus S. · 04.11.2026, 06:06

Vielen Dank euch beiden für die ersten Einschätzungen. Andreas, Ihr Hinweis auf die ChemKlimaschutzV beruhigt mich etwas. Ich habe die Absperrventile am Außengerät tatsächlich fest verschlossen, das System war also hermetisch vom Außengerät getrennt. Sandra, die Idee mit dem Lecksuchspray ist super pragmatisch, das werde ich auf jeden Fall machen, bevor ich die Ventile wieder öffne. Was mich noch beschäftigt: Muss ich beim Öffnen der Ventile nach der langen Zeit etwas Besonderes beachten, um den Kompressor zu schonen? Ich habe mal gehört, dass man das System langsam fluten sollte, um Ölschläge zu vermeiden. Oder ist das bei modernen Inverter-Geräten eher zweitrangig? Ich möchte beim Starten der Anlage keine Fehler machen, die später teuer werden könnten.

Thomas W. · 04.11.2026, 06:06

Hallo Markus, das mit dem langsamen Fluten ist eher ein Mythos aus der alten Kältetechnik bei großen Anlagen. Bei modernen Inverter-Systemen wie deiner Multi-Split ist das nicht vorgesehen. Wichtiger ist, dass du vor dem ersten Einschalten die Kurbelwannenheizung des Kompressors aktivierst. Die meisten Inverter-Außengeräte machen das automatisch, wenn sie am Stromnetz hängen, auch wenn sie im Standby sind. Lass das Gerät also mindestens 24 Stunden vor dem ersten Einschalten am Stromnetz, damit das Öl im Kompressor warm und flüssig genug ist. Wenn das System über den Winter komplett spannungslos war, ist die Kurbelwannenheizung nicht gelaufen. Das ist der kritischste Punkt für den Kompressorstart bei kalten Temperaturen. Also: Strom an, 24 Stunden warten, erst dann den Betrieb freigeben. Das schont die Mechanik deutlich mehr als jede Druckprüfung der Leitungen.

Jürgen R. · 04.11.2026, 06:06

Thomas hat vollkommen recht mit dem Hinweis auf die Kurbelwannenheizung. Das vergessen viele beim Neustart nach der Winterpause. Ergänzend dazu: Prüfen Sie bitte auch die Kommunikation zwischen den Innengeräten und dem Außengerät. Manchmal vergisst die Elektronik nach einer langen stromlosen Zeit die Adressierung der einzelnen Innenteile. Schauen Sie kurz ins Display des Außengeräts, ob dort Fehlercodes blinken, bevor Sie die Ventile öffnen. Bezüglich der Dichtheit: Wenn Sie die Leitungen nicht physisch bewegt oder die Bördelmuttern gelöst haben, sind die Verbindungen in der Regel absolut stabil. Die Ausdehnungskoeffizienten von Kupfer und Messing sind bei unseren klimatischen Bedingungen in Deutschland kein Grund zur Sorge. Eine Leckprüfung nach dem Öffnen mit Seifenwasser ist absolut ausreichend für den Hausgebrauch. Bleiben Sie entspannt, die Anlagen sind robuster, als man oft denkt.

Markus S. · 04.11.2026, 06:06

Super Tipps, danke Jürgen und Thomas! Die 24-Stunden-Regel für die Kurbelwannenheizung ist mir neu, das ergibt aber absolut Sinn, wenn man an das Öl im kalten Kompressor denkt. Ich werde das Gerät morgen schon mal unter Strom setzen, aber die Ventile noch geschlossen lassen, wie ihr empfohlen habt. Die Sichtprüfung mache ich dann mit Spray, sobald die Leitungen wieder unter vollem Druck stehen. Das nimmt mir echt den Stress, dass ich jetzt einen teuren Kältetechniker für eine Neuinbetriebnahme rufen muss. Das Forum hier ist wirklich Gold wert. Ich werde die Anlage dann nächste Woche, wenn die Außentemperaturen wieder leicht über dem Gefrierpunkt liegen, final in Betrieb nehmen. Vielen Dank an alle für die fachliche Unterstützung, das hilft mir sehr weiter!

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