Guten Tag zusammen. Ich betreibe eine Kälteanlage für ein Tiefkühlhaus mit einem semi-hermetischen Hubkolbenverdichter. Seitdem die Außentemperaturen nun nachts regelmäßig unter den Gefrierpunkt sinken, kämpfe ich mit Anlaufproblemen beim Verdichter. Die Anlage scheint im Kaltstart Schwierigkeiten zu haben, vermutlich bedingt durch eine zu hohe Ölviskosität oder Kondensatbildung im Kurbelgehäuse, obwohl die Kurbelgehäuseheizung laut Steuerung aktiv sein sollte. Mich würde interessieren, ob hier jemand ähnliche Erfahrungen bei aktuellen Verbundanlagen gemacht hat. Könnte eine zu lange Taktzeit bei den derzeitigen niedrigen Umgebungstemperaturen dazu führen, dass die Heizleistung nicht ausreicht oder ist hier eher ein Sensorfehler in der Überwachung des Kurbelgehäuses zu vermuten? Über fachliche Tipps zur Optimierung der Startbedingungen oder Hinweise zur Überprüfung der Anlaufentlastung wäre ich sehr dankbar. Möchte ungern riskieren, dass der Verdichter aufgrund von Ölmangel oder Flüssigkeitsschlag im Winter komplett ausfällt. Vielen Dank vorab für eure Unterstützung.
Kältemittelverdichter im TK-Verbund: Startprobleme bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt
Guten Tag Markus. Das klingt nach einem klassischen Problem bei semi-hermetischen Verdichtern unter winterlichen Bedingungen. Wenn Sie vermuten, dass die Kurbelgehäuseheizung trotz Aktivierung nicht ihre volle Wirkung entfaltet, sollten Sie zunächst die Stromaufnahme direkt am Heizelement messen. Oft ist zwar die Steuerung auf Ein geschaltet, aber der Kontakt im Schütz klebt oder das Heizelement selbst weist einen Isolationsfehler auf, der im kalten Zustand zu Fehlfunktionen führt. Zudem spielt die Viskosität des Öls bei tiefen Temperaturen eine entscheidende Rolle. Prüfen Sie, ob das verwendete Kältemaschinenöl für diese Umgebungstemperaturen überhaupt noch ausreichend fließfähig ist. Falls das Öl zu dickflüssig ist, könnte der Anlauf aufgrund des zu hohen Losbrechmoments scheitern. Eine Überprüfung der Anlaufentlastung ist hier definitiv ratsam, um die mechanische Belastung beim Startvorgang innerhalb der zulässigen Betriebsgrenzen gemäß Herstellerangaben zu halten.
Servus Markus, ich kenne das Problem aus einer unserer Verbundanlagen. Bei uns lag es schlicht an der Lage des Temperatursensors für die Heizung. Der saß so ungünstig am Gehäuse, dass er durch den kalten Luftzug im Technikraum falsche Werte geliefert hat und die Heizung viel zu früh abgeschaltet hat, obwohl das Öl noch zäh war. Wir haben das mit einer besseren Isolierung des Sensors gelöst. Schau dir auch mal die Einstellung für den Wiederanlauf an. Wir haben bei Kälte die Laufzeiten des Verdichters leicht angepasst, damit er nicht bei jeder Kleinigkeit anspringt, sondern ein definiertes Zeitfenster hat. Das schont die Wicklungen und verhindert, dass der Verdichter gegen einen zu hohen Gegendruck ankämpfen muss. Falls du eine Elektrofachkraft an der Hand hast, lass die Steuerungsparameter für die Anlaufverzögerung mal gegen die Vorgaben der ChemKlimaschutzV und die Empfehlungen des Herstellers prüfen.
Vielen Dank für die schnellen Rückmeldungen! Das mit dem Temperatursensor ist ein sehr guter Hinweis, Klaus und Timo. Ich habe heute Morgen nachgemessen und tatsächlich festgestellt, dass die Gehäusetemperatur deutlich niedriger ist, als es mir das Display im Leitstand anzeigt. Es scheint also ein klassischer Messfehler vorzuliegen, da der Sensor wohl durch den kalten Zuluftstrom verfälscht wird. Ich werde morgen die Position des Sensors optimieren und das Schütz auf eventuelle Korrosion oder Kontaktwiderstände prüfen. Sollte das nicht helfen, werde ich wohl auch die Anlaufentlastung mechanisch nachjustieren müssen. Ich möchte auf jeden Fall vermeiden, dass es beim Start zu einem Flüssigkeitsschlag kommt. Danke für eure Unterstützung bei der Fehlersuche, das hilft mir enorm weiter.
Guten Tag zusammen. Ergänzend zu den technischen Aspekten möchte ich darauf hinweisen, dass bei derartigen Anlagen auch die hydraulische Einbindung und der Kältemittel-Rücklauf in den Verdichter nach Stillstandzeiten kritisch zu bewerten sind. Wenn das Öl im Sumpf durch Kälte zu stark auskühlt, kann es zur Kältemittelanreicherung im Öl kommen, was beim Start das gefürchtete Schäumen verursacht. Zusätzlich zur Kurbelgehäuseheizung sollte bei Anlagen dieser Größe stets die Einhaltung der Herstellervorgaben zur Mindestlaufzeit beachtet werden, um die Ölrückführung sicherzustellen. Achten Sie bei der Wartung darauf, dass alle elektrischen Komponenten den einschlägigen VDE-Vorschriften entsprechen. Falls Sie die Steuerung grundlegend anpassen, stellen Sie sicher, dass keine Betriebspunkte außerhalb des zulässigen Enveloppe-Bereichs entstehen. Bei Unsicherheiten bezüglich der Konformität gemäß GEG oder aktueller Richtlinien ist es immer ratsam, die Spezifikationen des Verdichterherstellers heranzuziehen.
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