Ich stehe gerade vor der Herausforderung, den hydraulischen Abgleich bei meinem 90er-Jahre-Bestandsbau nach dem Umstieg auf eine Wärmepumpe final abzuschließen. Die SHK-Fachfirma hat den Durchfluss an den Verteilern zwar eingestellt, aber einige Thermostatköpfe in den Zimmern regeln immer noch merklich ab, weil es in den Räumen schneller warm wird als berechnet. Ist es sinnvoll, die Thermostate in den Hauptwohnräumen komplett abzubauen oder voll aufzudrehen, um das Durchflussverhalten der Pumpe nicht negativ zu beeinflussen? Mir geht es primär darum, die Rücklauftemperatur so niedrig wie möglich zu halten, damit die Effizienz der Anlage stimmt. Mich würde interessieren, ob ihr im Betrieb mit Wärmepumpen die Thermostate als Sicherheitsinstanz beibehaltet oder ob eine rein witterungsgeführte Steuerung mit festen Voreinstellungen an den Ventilen bei euch reibungslos funktioniert. Vielen Dank für eure technische Einschätzung dazu.
Hydraulischer Abgleich: Thermostatventile voll auf?
Hallo Thomas, das ist ein absolut klassisches Problem bei Wärmepumpen im Bestand. Als SHK-Meister rate ich dir dringend dazu, die Thermostate in den Hauptaufenthaltsräumen vollständig zu öffnen oder bei nicht genutzten Räumen auf eine feste, niedrige Stufe zu begrenzen. Wenn die Thermostate bei Erreichen der Solltemperatur schließen, reduzierst du den Volumenstrom, was die Wärmepumpe in eine unnötige Taktung zwingt und die Effizienz deines Gesamtsystems durch steigende Rücklauftemperaturen massiv verschlechtert. Das Ziel nach VDI 4645 sollte immer ein Selbstregeleffekt durch eine korrekt eingestellte Heizkurve sein. Wenn es in manchen Räumen zu warm wird, ist das ein klares Indiz dafür, dass dein hydraulischer Abgleich noch nicht final ist. Reguliere den Durchfluss am Verteiler so lange nach, bis die Raumtemperatur bei voll geöffneten Ventilen genau deinem Wunsch entspricht. Erst dann arbeitest du wirklich effizient und sparst auf Dauer deutlich Energiekosten.
Moin Thomas! Ich kann Markus nur beipflichten, bei uns im sanierten 95er Bau hat das Entfernen der Thermostatköpfe im Wohnzimmer wahre Wunder gewirkt. Seitdem wir das Haus über die Heizkurve führen und die Ventile komplett offen haben, läuft unsere Wärmepumpe viel gleichmäßiger und seltener an. Die Einsparung beim Stromverbrauch war bei uns im ersten Jahr nach der Optimierung wirklich spürbar, was auch für den KfW-Nachweis im Rahmen der BEG-Förderung gut ist. Allerdings verstehe ich deine Sorge bezüglich der Sicherheit. Wir haben in den Schlafzimmern zur Sicherheit noch smarte Thermostate gelassen, falls man dort doch mal bewusst kühler schlafen möchte. Aber im Wohnbereich ist das einfach nur hinderlich. Versuche dich mal vorsichtig an die Heizkurve heranzutasten, das braucht etwas Geduld und man muss jeden Tag nur minimal anpassen, aber das Ergebnis entschädigt dich für den Aufwand.
Vielen Dank für eure schnellen und hilfreichen Antworten! Dass der Selbstregeleffekt durch eine saubere Heizkurve die Thermostate weitgehend überflüssig macht, klingt absolut logisch. Ich werde mich jetzt mal an den Feinschliff der Durchflussmengen am Verteiler machen, so wie Markus es empfohlen hat, und die Heizkurve im gleichen Zug schrittweise absenken. Sabine, dein Tipp mit den smarten Reglern in den Schlafzimmern ist ein guter Kompromiss, das behalte ich mir für die Zukunft mal im Hinterkopf. Denkt ihr, dass ich bei der Absenkung der Heizkurve unter die physikalischen Grenzen des 90er-Jahre-Systems komme, wenn die Heizkörper nicht überdimensioniert wurden? Ich möchte natürlich nicht, dass es im tiefsten Winter ungemütlich wird. Ich werde das Projekt jetzt mal über die nächsten Wochen bei unterschiedlichen Außentemperaturen genau beobachten.
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