Guten Tag zusammen. Ich stehe derzeit vor einer kniffligen Entscheidung bei meiner Luft-Wasser-Wärmepumpe, die ich im Zuge der Altbausanierung installiert habe. Da ich mit eher niedrigen Vorlauftemperaturen arbeite, um die Effizienz zu maximieren, bin ich unsicher, wie ich die Warmwasserbereitung optimal einstelle. Das Thema Legionellenschutz bei den aktuellen Temperaturen im Oktober bereitet mir Kopfzerbrechen. Mein Speicher hat ein Volumen von 300 Litern. Sollte ich wöchentlich eine thermische Desinfektion über den internen Heizstab fahren oder reicht eine tägliche Speichertemperatur von 50 Grad aus? Ich möchte ungern den COP-Wert durch zu hohe Temperaturen ruinieren, aber hygienisch auf der sicheren Seite bleiben. Wie handhabt ihr das bei euren Anlagen, besonders wenn das Haus nicht permanent voll belegt ist? Vielen Dank für eure fachliche Einschätzung und Tipps zur Einstellung der Hysterese in diesem Zusammenhang.
Legionellen-Schutz bei WP-Warmwasserbereitung im Altbau
Guten Tag Markus, als SHK-Meister rate ich Ihnen dringend von der wöchentlichen thermischen Desinfektion über den Heizstab ab. Diese Vorgehensweise ist energetisch äußerst ineffizient und stresst das Material unnötig. Nach dem DVGW-Arbeitsblatt W 551 ist für Ein- und Zweifamilienhäuser keine explizite thermische Desinfektion vorgeschrieben, sofern die Anlage korrekt betrieben wird. Ich empfehle Ihnen stattdessen, den Speicherinhalt einmal täglich auf 50 Grad zu erwärmen. Achten Sie dabei auf eine gute Schichtung im Speicher und vermeiden Sie zu große Totzonen. Wichtig ist zudem die Durchströmung: Wenn Ihr Speicher 300 Liter fasst, aber nur wenige Personen im Haus leben, sollten Sie über einen kleineren Speicher nachdenken, um die Fluktuation zu erhöhen. Die Hysterese würde ich auf 5 bis 7 Kelvin einstellen, um die Taktfrequenz der Wärmepumpe im akzeptablen Bereich zu halten.
Vielen Dank für die schnelle Rückmeldung, Thomas. Das beruhigt mich schon einmal ungemein. Der Hinweis auf die Fluktuation ist sehr wertvoll, da wir tatsächlich nur zu zweit wohnen. Muss ich bei der Einstellung der 50 Grad im Hinblick auf den hydraulischen Abgleich oder die Energieeffizienzvorgaben laut GEG noch etwas Bestimmtes beachten? Ich möchte natürlich vermeiden, dass die Wärmepumpe ständig nachheizt, nur weil die Hysterese zu eng gewählt ist. Wenn ich die 50 Grad täglich ansteuere, schaffe ich das meistens über den Kompressorbetrieb, ohne den Heizstab zu Hilfe nehmen zu müssen. Das ist mir, gerade im Hinblick auf die Stromkosten, deutlich lieber.
Hallo Markus, ich kann mich Thomas nur anschließen. Bei uns im Haus läuft das seit drei Jahren genauso. Wir halten die Speichertemperatur bei 48 Grad und fahren einmal am Tag die 50 Grad an. Seitdem wir das so handhaben, ist der COP deutlich stabiler geblieben. Ich habe dazu auch die VDI 4645 im Blick behalten, die bei der Planung von Wärmepumpenanlagen als Standard gilt. Solange das Wasser nicht abgestanden in den Leitungen steht, gibt es bei diesen Temperaturen in einem privaten Einfamilienhaus in der Regel keine Probleme mit Legionellen. Wichtig ist einfach, dass das Volumen regelmäßig ausgetauscht wird. Spar dir den Heizstab lieber für Notfälle auf, dafür ist er eigentlich gedacht.
Mal ein pragmatischer Einwurf aus der Praxis: Vergesst nicht die Zirkulationsleitung! Wenn Markus eine Zirkulation installiert hat, dann ist die Temperatur im Speicher zweitrangig, wenn sie in der Zirkulation unter 55 Grad fällt. Da züchtet man sich die Probleme erst richtig ran. Wenn ihr unbedingt effizient sein wollt, schaltet die Zirkulationspumpe zeitgesteuert nur dann an, wenn sie wirklich gebraucht wird, oder nutzt eine intelligente Steuerung, die auf Bedarf reagiert. Wer da 24/7 umwälzt, hat den Kampf gegen die Legionellen schon verloren, egal ob der Speicher 50 oder 60 Grad hat. Das ist oft der größte Fehler bei Altbausanierungen, den ich auf meinen Baustellen sehe.
Bernd hat absolut recht, die Zirkulation wird oft unterschätzt. Ich bin Planer für Energieeffizienz und sehe oft Anlagen, die zwar eine super effiziente Wärmepumpe haben, aber durch eine falsch eingestellte Zirkulation oder zu große Speicher völlig unnötig Strom fressen. Die 300 Liter bei zwei Personen sind ohnehin recht sportlich bemessen, da wird das Wasser in den Randbereichen des Speichers zu lange stehen bleiben. Markus, prüfe mal die Zeitfenster deiner Zirkulationspumpe. Wenn du die auf wenige Intervalle pro Tag begrenzt, kannst du die Speichertemperatur auch ohne schlechtes Gewissen bei 48 Grad halten. Achte beim hydraulischen Abgleich auch darauf, dass die Warmwasser-Vorrangschaltung nicht zu massiv in den Heizbetrieb eingreift, sonst wird es im Haus schnell ungemütlich, wenn die WP zu lange mit der Erwärmung des Brauchwassers beschäftigt ist.
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