Sehr geehrte Kollegen, ich stehe derzeit vor der Planung für ein neues Gewerbeobjekt mit knapp 9 Metern Deckenhöhe. Um die Wärmeschichtung effektiv zu vermeiden, schwanke ich aktuell noch zwischen klassischen Deckenventilatoren mit Rückwärtslauf oder einem geschlossenen Schlauchsystem zur gezielten Warmluftführung nach unten. Die Energiekosten sollen bei diesem Bauvorhaben von Anfang an so gering wie möglich gehalten werden. Die Deckenventilatoren wären in der Anschaffung natürlich günstiger, aber ich mache mir Sorgen wegen der Geräuschentwicklung und der gleichmäßigen Durchmischung, insbesondere wenn im hinteren Bereich Regallager stehen, die die Luftströmung behindern könnten. Schlauchsysteme wirken da deutlich präziser, sind aber baulich aufwendiger zu integrieren und erfordern eine sorgfältige Berechnung des Druckverlusts. Mich würde interessieren, ob es bei der Destratifikation in vergleichbaren Objekten eine klare Empfehlung gibt. Lohnt sich der Aufpreis für ein Schlauchsystem, wenn man die Betriebskosten der nächsten 15 Jahre betrachtet? Ich freue mich über eine abwägende Diskussion aus Ihrer Praxis.
Destratifikation in hoher Halle: Deckenventilatoren oder offene Schlauchsysteme?
Hallo Sabine, als SHK-Meister mit Schwerpunkt Industriebau kann ich dir sagen, dass bei 9 Metern Deckenhöhe Deckenventilatoren oft nur ein Kompromiss sind. Bei Regallagern hast du das Problem, dass die Luftwalze an den Hindernissen bricht und du in Bodennähe kaum eine gleichmäßige Temperaturverteilung erreichst. Die energetische Bilanz nach GEG sieht hier oft schlecht aus, weil du viel Energie in die Decke pumpt, die dort bleibt. Ich empfehle dir dringend das Schlauchsystem. Die Investitionskosten sind zwar höher, aber durch die gezielte Luftführung erreichst du eine viel bessere Schichtung und sparst über die Jahre signifikant Heizkosten. Gerade bei der aktuellen BEG-Förderung für effiziente Anlagentechnik lässt sich das oft gut rechtfertigen. Wenn du die Druckverluste sauber berechnest, ist das System zudem wesentlich leiser als jeder Ventilator.
Guten Tag Sabine, ich plane aktuell eine ähnliche Halle und habe mich nach Rücksprache mit unserem Energieberater für eine Hybridlösung entschieden. Die Ventilatoren haben bei uns den Vorteil, dass sie auch im Sommer zur Hallenlüftung beitragen können, was bei einem rein auf Heizung ausgelegten Schlauchsystem schwierig ist. Beachte bei deiner Entscheidung bitte unbedingt die VDI 4645. Wenn du später eine Wärmepumpe zur Unterstützung einplanen möchtest, ist die Vorlauftemperatur entscheidend. Je besser die Destratifikation durch Schlauchsysteme funktioniert, desto niedriger kannst du die Heizkurve wählen. Das spart nicht nur Strom, sondern erhöht die Effizienz der Wärmepumpe massiv. Hast du schon berechnet, wie groß der Luftvolumenstrom bei deinem System sein muss, um die 9 Meter effektiv zu überwinden?
Vielen Dank für die schnellen Rückmeldungen! Markus, dein Hinweis auf das Brechen der Luftwalze durch die Regale leuchtet mir ein, das war bisher mein Hauptbedenken bei den Ventilatoren. Elena, der Punkt mit der Wärmepumpen-Effizienz durch niedrigere Vorlauftemperaturen ist ein starkes Argument für die Schlauchsysteme, das ich in meiner Wirtschaftlichkeitsbetrachtung bisher zu wenig gewichtet habe. Ich werde mich jetzt nochmal intensiver mit der Druckverlustberechnung für die Schlauchleitungen befassen. Wisst ihr, ob man hierfür spezielle Software-Module für gängige Planungs-Tools benötigt oder ob eine klassische Auslegung nach DIN EN 12831 ausreicht? Der Aspekt mit der Sommerlüftung ist ebenfalls interessant, vielleicht lässt sich das durch eine drehzahlgeregelte Steuerung der Ventilatoren in den Schlauchsystemen sogar kombinieren?
Servus Sabine, lass dich nicht verrückt machen. Ich hab in meiner Laufbahn schon viele Hallen gesehen. Die Schlauchsysteme sind klasse, aber wehe, die Wartung wird vernachlässigt. Staubablagerungen in den Schläuchen können bei Brandschutzprüfungen nach einiger Zeit zum Thema werden. Das vergessen viele Planer gerne mal. Wenn das Budget knapp ist, nimm hochwertige Industrie-Ventilatoren mit EC-Motor. Die sind extrem leise, lassen sich über Modbus stufenlos regeln und verbrauchen kaum Strom. Wenn du die richtig anordnest, bekommst du die Wärme auch in 9 Meter Höhe in den Griff, ohne das halbe Gebäude für Leitungen aufzureißen. Das Wichtigste ist eine gute Mess- und Regelungstechnik, die wirklich auf die Temperaturdifferenz zwischen Boden und Decke reagiert. Das rechnet sich meist schneller als die teure Schlauchinstallation.
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