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Einfluss der Heizkurven-Steilheit auf die Taktung bei Luft-Wasser-WP

von Dr. Ing. Klaus W. · 17.10.2026, 05:04 · 32 Aufrufe · 6 Antworten

Dr. Ing. Klaus W. · 17.10.2026, 05:04

Sehr geehrte Fachkollegen, im Rahmen der diesjährigen energetischen Optimierung meines Bestandsgebäudes mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe habe ich die Heizkurve neu berechnet. Bei einer Normaußentemperatur von -12 Grad und einer Heizlastberechnung nach EN 12831 habe ich die Steilheit moderat auf 0,6 reduziert. Seit die nächtlichen Temperaturen nun sinken, bemerke ich jedoch eine signifikant höhere Taktfrequenz als bei der Werkseinstellung. Ist bei einer derart flachen Kennlinie ein Überschwingen der Vorlauftemperatur in den Übergangszeiten unvermeidlich, oder sollte ich eher die Spreizung durch eine Anpassung der Umwälzpumpenleistung optimieren, um die Laufzeiten pro Zyklus zu verlängern? Ich stehe vor der Entscheidung, entweder mit dem häufigeren Takten zu leben oder die Heizkurve wieder etwas steiler anzusetzen, was jedoch den COP in den milden Phasen verschlechtern würde. Über einen fachlich fundierten Austausch zu dieser Abwägung würde ich mich sehr freuen.

Markus T. · 17.10.2026, 05:04

Hallo Klaus, das Problem ist ein Klassiker. Wenn Sie die Steilheit senken, reduzieren Sie die Ziel-Vorlauftemperatur. In der Übergangszeit führt das bei vielen Modellen dazu, dass die Modulation der Wärmepumpe an die untere Leistungsgrenze stößt. Wenn die Mindestleistung des Verdichters höher liegt als der aktuelle Wärmebedarf, taktet das Gerät unweigerlich. Ich würde Ihnen raten, zunächst die Umwälzpumpe auf einen konstanten, höheren Volumenstrom zu prüfen. Ein hydraulischer Abgleich nach Verfahren B ist hier essenziell. Wenn die Spreizung zu gering wird, steigt die Rücklauftemperatur zu schnell an und das Gerät schaltet ab. Bitte prüfen Sie auch, ob die Hysterese in der Software eventuell zu eng definiert ist.

Jürgen S. · 17.10.2026, 05:04

Moin Klaus, als SHK-Meister sehe ich das täglich. Viele Kunden optimieren die Kurve auf dem Papier, vergessen aber die Hydraulik. Wenn du die Heizkurve flachst, muss die Energieabgabe über den Volumenstrom kommen. Prüfe mal, ob die Thermostatventile in den Räumen vielleicht schon zu machen. Das ist der häufigste Grund für das Takten. Die Pumpe rennt gegen geschlossene Ventile, der Druck steigt, die Rücklauftemperatur schnellt hoch und zack – Gerät aus. Mach die Heizflächen voll auf, lass die Thermostate weg und schau dir das Verhalten über 48 Stunden an. Oft erledigt sich das Takten dann von ganz alleine, weil der Durchfluss das System puffert.

Dr. Ing. Klaus W. · 17.10.2026, 05:04

Vielen Dank für die schnellen Rückmeldungen, Markus und Jürgen. Jürgen, der Hinweis mit den Thermostaten ist wertvoll; die sind tatsächlich in den Schlafräumen noch etwas gedrosselt. Ich werde diese heute Abend vollständig öffnen und den Volumenstrom an der Pumpe leicht anheben. Markus, das mit der Mindestleistung ist ein guter Punkt. Ich habe eine modulierende WP mit einer unteren Grenze von etwa 2,5 kW thermisch. Ich werde das Verhalten nach dem Öffnen der Ventile beobachten. Sollte das nichts bringen, werde ich die Hysterese testweise um 1 Kelvin anheben. Das sollte dem Gerät etwas mehr Spielraum verschaffen, ohne den COP massiv zu gefährden.

Sabine L. · 17.10.2026, 05:04

Hallo in die Runde. Ich bin zwar nur interessierter Bauherr, aber bei meinem Projekt haben wir nach der VDI 4645 eine sehr niedrige Vorlauftemperatur angestrebt. Bei uns war die Lösung ein Reihenspeicher im Rücklauf. Seit der Installation haben wir deutlich längere Laufzeiten, auch bei milden Temperaturen. Die Taktfrequenz ist um fast 60 Prozent gesunken. Wenn die Heizkurve zu steil ist, verbraten wir nur Strom für unnötig hohe Temperaturen. Wir haben die Steilheit bei 0,5 und lassen die Pumpe im Konstantdruckmodus laufen. Vielleicht wäre ein kleiner Puffer auch für dich eine Option, um die Trägheit des Systems zu erhöhen?

Thomas B. · 17.10.2026, 05:04

Vorsicht Sabine, ein Puffer im Rücklauf muss hydraulisch sauber eingebunden sein, sonst handelt man sich einen hydraulischen Kurzschluss ein. Klaus, bleib bei deinem Ansatz der Kurvenoptimierung. Dein Vorhaben, die Hysterese anzupassen, ist der richtige Weg, um die Taktung zu reduzieren. Aber pass auf, dass das GEG-konforme Raumklima nicht leidet. Zu große Schwankungen bei der Innentemperatur sind nicht ideal für den Nutzerkomfort. Mein Rat: Ändere immer nur einen Parameter zur Zeit. Erst Volumenstrom maximieren, dann Hysterese anpassen. Und halte die Außentemperaturen im Blick, in den echten Frostnächten bei -10 Grad brauchst du vermutlich wieder die Steilheit, die du jetzt gerade rausnimmst.

Dr. Ing. Klaus W. · 17.10.2026, 05:04

Nochmals danke an alle. Ich werde Thomas' Rat befolgen und systematisch vorgehen. Der Vorschlag von Sabine mit dem Puffer ist interessant, aber aufgrund der bereits installierten Peripherie aktuell nicht mein primärer Weg. Ich habe nun die Heizflächen hydraulisch voll geöffnet und die Heizkreispumpe in der Leistungskurve leicht angehoben, um die Spreizung bei niedriger Last etwas zu drücken. Erste Messungen zeigen bereits eine Verlängerung der Laufzeit um etwa 15 Minuten pro Takt. Das stimmt mich zuversichtlich. Die Kombination aus optimalem Durchfluss und einer moderaten Anpassung der Schalthysterese scheint für mein System der Schlüssel zum Erfolg zu sein. Ich werde weiter berichten.

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