Sehr geehrte Fachleute, wir haben in unserem Hochregallager aufgrund der massiven thermischen Belastung im Hochsommer eine großflächige Hallenkühlung installiert. Da wir nun Mitte Oktober haben und die Außentemperaturen deutlich sinken, frage ich mich, wie wir die Anlage in der Übergangszeit sinnvoll einstellen sollen. Die ASR A3.5 fordert ja klare Mindesttemperaturen, aber ab welcher thermischen Last ist ein Betrieb der Kühlung aktuell überhaupt noch wirtschaftlich sinnvoll? Wir haben festgestellt, dass sich die Halle durch die großen Fensterfronten auch jetzt noch bei Sonneneinstrahlung stark aufheizt, während es im Schattenbereich schon empfindlich kühl wird. Ist es technisch ratsam, die Kühlung jetzt komplett zu deaktivieren oder sollten wir eher auf eine reine Lüftungsfunktion ohne Kälteerzeugung umstellen, um die Luftströme zu wälzen und Stauwärme zu vermeiden? Mich interessieren besonders Ihre Ansätze zur automatisierten Steuerung in dieser jahreszeitlichen Übergangsphase. Haben Sie hier feste Schwellenwerte definiert oder fahren Sie eher nach manuellem Ermessen?
ASR A3.5: Kühlung in Lagerhalle bei sommerlicher Nachhitze noch relevant?
Guten Tag Frau K., als Planer für gewerbliche Kälteanlagen kann ich Ihnen nur raten, die Kühlung in der Übergangszeit primär über eine differenzierte Regelung der Außenluftklappen zu steuern. Die ASR A3.5 ist hierbei eher eine Sicherheitsvorgabe zur Vermeidung unzumutbarer Arbeitsbedingungen, aber für die Betriebseffizienz im Oktober ist freie Kühlung das Stichwort. Nutzen Sie die kühle Außenluft zur nächtlichen Auskühlung der Halle. Stellen Sie Ihre Steuerung auf einen gleitenden Sollwert um, der sich an der Innentemperatur orientiert und erst bei Überschreitung kritischer Grenzwerte die aktive Kältemaschine zuschaltet. Ein rein manuelles Eingreifen ist meist ineffizient und führt zu unnötigen Lastspitzen. Haben Sie bei der Installation auch eine Anbindung an die Gebäudeautomation vorgenommen? Nur so lässt sich die Kälteerzeugung unter Berücksichtigung der ChemKlimaschutzV und des aktuellen GEG energieeffizient drosseln.
Hallo Sabine, das Problem mit den Fensterfronten kenne ich aus unseren eigenen Logistikzentren nur zu gut. Wir haben das Problem gelöst, indem wir statt der Kälteanlage einfach die Ventilatoren der Lüftungsgeräte für die Nachtauskühlung nutzen. Das kostet nur einen Bruchteil an Strom im Vergleich zum Kompressorbetrieb. Mein Rat: Schalte die Kälteerzeugung komplett ab, solange die Außentemperatur nachts unter 15 Grad sinkt. Wenn es tagsüber in der Sonne zu heiß wird, hilft bei uns meist eine gezielte Verschattung mehr als jede Klimaanlage. Prüf mal, ob eine automatisierte Beschattung technisch bei euch nachrüstbar ist, das spart auch langfristig massiv Betriebskosten. Die ASR A3.5 ist im Oktober selten durch die reine Strahlungswärme kritisch, solange ihr die Luftbewegung über die Lüftung aufrechterhaltet.
Vielen Dank für die schnellen Rückmeldungen. Markus, die Gebäudeautomation haben wir tatsächlich verbaut, bisher aber nur auf eine starre Temperaturkurve eingestellt. Die Idee der freien Kühlung klingt logisch, da wir über eine ordentliche mechanische Lüftung verfügen. Der Hinweis zur nächtlichen Auskühlung ist wertvoll, das werden wir sofort in der Programmierung anpassen. Jens, die Verschattung ist bei uns ein kompliziertes Thema aufgrund der statischen Gegebenheiten der Fensterkonstruktion. Die Umstellung auf reine Lüftung ohne aktive Kälteerzeugung ab einer gewissen Außentemperatur scheint mir derzeit der beste Kompromiss. Ich werde mal prüfen lassen, ob unsere Elektrofachkraft die Schwellenwerte im System entsprechend anpassen kann, ohne dass es zu Kondensationsproblemen in den Luftkanälen kommt.
Servus zusammen, ich bringe hier mal die Perspektive aus der Wartung ein. Frau K., seien Sie vorsichtig mit dem einfachen Abschalten der Anlage. Wenn Sie die Kälteerzeugung im Herbst monatelang komplett inaktiv lassen, könnten die Dichtungen der Kältemittelverdichter austrocknen oder die Anlage verliert bei langen Stillständen die Betriebssicherheit laut Herstellervorgaben. Ich empfehle Ihnen, die Anlage mindestens alle zwei Wochen für einen kurzen Probelauf zu aktivieren, damit das Öl im System zirkuliert. Das hat auch den Vorteil, dass die Sensorik der Steuerung kalibriert bleibt. Was die ASR A3.5 angeht, so sollten Sie sicherheitshalber ein einfaches Temperatur-Logging führen, um bei einer Begehung durch die Berufsgenossenschaft nachweisen zu können, dass die Grenzwerte auch ohne aktive Kühlung eingehalten wurden. So sind Sie rechtlich auf der sicheren Seite.
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