Guten Tag zusammen. Ich beschäftige mich gerade mit der langfristigen Wartung unserer Split-Anlagen. Da wir nun vermehrt auf R32 setzen, stellt sich mir die Frage, wie man eine schleichende Kältemittel-Undichtigkeit im laufenden Betrieb eigentlich rechtzeitig erkennt, bevor die Kälteleistung komplett einbricht. Gibt es da typische Anzeichen bei den Inverter-Geräten? Mir ist aufgefallen, dass der Druck bei der Messung am Serviceport bei einem Gerät nach drei Jahren leicht unter den ursprünglichen Werten lag, obwohl das System dicht wirkt. Ist ein minimaler Kältemittelverlust bei Verschraubungen an den Innengeräten über die Jahre eigentlich als normal anzusehen oder deutet das zwingend auf ein Montageproblem hin? Ich bin gespannt auf Ihre Einschätzung, ob man hier regelmäßig per Manometer kontrollieren sollte oder ob man erst bei spürbaren Leistungseinbußen oder Fehlermeldungen der Elektronik reagieren muss. Wie gehen Sie als Profis bei der jährlichen Durchsicht mit solchen minimalen Abweichungen um, ohne direkt das komplette System neu zu evakuieren und neu zu befüllen?
Kältemittelaustritt bei R32 – Woran erkenne ich schleichende Undichtigkeiten?
Guten Tag Markus. Als SHK-Meister mit Schwerpunkt Kältetechnik kann ich Ihnen sagen: Ein minimaler Verlust über Jahre hinweg ist nach der ChemKlimaschutzV keinesfalls als normal anzusehen, sondern ein klarer Mangel. R32 ist ein sicherheitsrelevantes Kältemittel und bei ordnungsgemäßer Montage mittels Drehmomentschlüssel und korrektem Bördelmaß darf bei festen Verbindungen kein Verlust auftreten. Mein Rat: Messen Sie nicht ständig mit dem Manometer am Serviceport, da Sie bei jedem Auf- und Abschrauben selbst eine winzige Menge Kältemittel verlieren und zudem Feuchtigkeit eintragen können. Nutzen Sie stattdessen einen elektronischen Lecksucher oder bilden Sie bei Verdacht eine Lecksuchlösung an den Bördeln. Wenn der Druck sinkt, ist das System undicht und muss gemäß Norm fachgerecht instand gesetzt werden, statt es nur nachzufüllen.
Vielen Dank Thomas für die fachliche Einordnung. Das bestätigt meine Sorge, dass hier bei der Erstmontage eventuell geschlampt wurde. Gerade bei der Übergabe von Neubauten gemäß VDI 4645 achte ich eigentlich penibel auf die Protokolle, aber man steckt nicht in jeder Lötstelle oder jedem Bördel drin. Ist es denn realistisch, bei der jährlichen Wartung lediglich die Überhitzung zu prüfen, um auf schleichende Verluste zu schließen? Ich scheue mich davor, die Anlage ohne akuten Anlass komplett zu evakuieren. Gibt es da eine Grenze, bei der Sie sagen, dass eine Neufüllung unumgänglich wird, weil die Kälteleistung sonst nicht mehr den Anforderungen des GEG entspricht?
Hallo Markus, lass den Quatsch mit dem ständigen Druckmessen am Serviceport. Thomas hat vollkommen recht, du riskierst da mehr, als du gewinnst. Ich bin jetzt seit zehn Jahren in der Branche und wir schauen bei der jährlichen Durchsicht primär auf das Fehlerprotokoll im Inverter-Display und führen eine Sichtprüfung der Verbindungen durch. Wenn die Anlage keine Fehlermeldung auswirft und die gemessene Temperaturdifferenz zwischen Zuluft und Abluft am Innengerät innerhalb der Herstellervorgaben liegt, ist alles im grünen Bereich. Solange das Ding läuft und die Hütte warm bzw. kalt wird, würde ich die Finger davon lassen. Ein Nachfüllen ohne vorherige exakte Lecksuche ist bei R32 sowieso rechtlich grenzwertig und ökologisch völlig daneben.
Sehr geehrte Kollegen, ich sehe das etwas differenzierter. Wir dürfen nicht vergessen, dass Klimaanlagen mit R32 im Rahmen der BEG-Förderung als hocheffiziente Wärmepumpen gelistet sind. Wenn hier durch schleichende Undichtigkeiten die Effizienz sinkt, gefährden wir langfristig die Förderfähigkeit und die zugesicherten Jahresarbeitszahlen. Bei meinen Projekten setze ich auf eine jährliche Messung der Überhitzung direkt am Kompressor. Wenn diese signifikant von den Referenzwerten abweicht, ist das ein Indiz für Kältemittelmangel. Ja, das ist aufwendiger als nur ins Display zu schauen, aber Qualität setzt sich durch. Wer professionelle Arbeit abliefern will, kommt um eine saubere Analyse nicht herum. Man sollte hier nicht vorschnell von 'normalen Verlusten' sprechen, da dies die Sorgfaltspflicht verletzt.
Moin zusammen. Als erfahrener Anlagentechniker kann ich Carstens Ansatz nur unterstützen, auch wenn er aufwendig ist. Wir haben bei einer Anlage neulich durch eine konstante Überwachung der Stromaufnahme des Inverters gemerkt, dass diese bei gleicher Last leicht angestiegen ist – ein Zeichen dafür, dass der Kompressor härter arbeiten muss, weil der Kältemittelmassenstrom durch den Verlust abnimmt. Das ist ein hervorragender Indikator, der ohne Kältemittelverlust durch Messadapter funktioniert. Wenn ihr also Zugriff auf die Inverter-Daten habt, loggt diese über einen Zeitraum. Das ist deutlich präziser als das Manometer. Wenn ihr dann Unregelmäßigkeiten seht, könnt ihr gezielt mit dem Lecksuchgerät an die Bördel. Das spart Zeit und schont das System.
Danke Jens, das mit der Stromaufnahme ist ein wertvoller Hinweis, an den ich bisher gar nicht gedacht habe. Das lässt sich ja wunderbar über die Schnittstellen der meisten modernen Geräte auslesen, ohne den Kältekreislauf mechanisch zu öffnen. Das beruhigt mich, da ich nun eine klare Vorgehensweise für die Wartung habe, ohne das System unnötig zu stressen. Ich werde bei der nächsten Durchsicht die Leistungsdaten loggen und dann bei Auffälligkeiten gezielt auf Lecksuche gehen, statt blind am Serviceport zu hantieren. Damit bleibt die Effizienz gewahrt und ich erfülle meine Pflichten als Betreiber, ohne unnötige Risiken einzugehen. Danke an alle für diese sachliche und fundierte Diskussion, das hat mir wirklich weitergeholfen.
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