Guten Tag zusammen. Ich betreibe seit dem letzten Winter eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem energetisch sanierten Altbau. Aktuell beobachte ich bei den ersten kühlen Nächten, dass die Steuerung den elektrischen Heizstab bereits bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt als Unterstützung zuschaltet, obwohl die Wärmepumpe laut Datenblatt noch deutlich effizienter arbeiten könnte. Mich würde interessieren, welche Parameter ihr in der Regel für den Bivalenzpunkt setzt. Macht es Sinn, den Heizstab erst bei -5 oder -7 Grad freizugeben, um den teuren Strombezug zu minimieren, oder riskiere ich damit eine Unterversorgung des Gebäudes, wenn die Anlage die Vorlauftemperatur nicht schnell genug erreicht? Ich habe das Gefühl, dass meine Regelung hier sehr konservativ eingestellt ist. Welche Erfahrungen habt ihr mit der Hysterese beim Heizstab gemacht? Gibt es hier allgemeingültige Empfehlungen oder ist das rein baujahresabhängig zu betrachten? Über einen kurzen Austausch zu euren Einstellungen wäre ich sehr dankbar.
Optimierung der Heizstab-Zuschaltung bei Luft-Wasser-WP
Hallo Markus, das ist ein klassisches Szenario bei werksseitigen Standardeinstellungen. Viele Hersteller konfigurieren den Bivalenzpunkt ab Werk recht konservativ, oft bei 0 Grad oder sogar +2 Grad, um sicherzustellen, dass es der Kunde in der Übergangsphase niemals als zu kühl empfindet. Als SHK-Meister rate ich Ihnen, diesen Wert mutig in Richtung -5 oder -7 Grad zu verschieben, sofern Ihr hydraulischer Abgleich sauber durchgeführt wurde. Beachten Sie jedoch zwingend die VDI 4645. Bei einer zu tiefen Einstellung riskieren Sie, dass die Wärmepumpe im Bereich ihrer Leistungsgrenze taktet, anstatt die Last gleichmäßig zu decken. Testen Sie die Absenkung in kleinen Schritten um jeweils zwei Grad und beobachten Sie das Taktverhalten Ihrer Anlage über eine Woche hinweg.
Danke für die schnelle Antwort, Thomas. Ich habe heute Morgen vorsichtig den Bivalenzpunkt auf -4 Grad gestellt. Mein Installateur meinte damals, wir sollten auf Nummer sicher gehen, wegen der Sanierungssituation. Was mich noch beschäftigt: Muss ich bei einer solchen Anpassung Sorge haben, dass der Verdichter durch die längere Laufzeit bei tieferen Temperaturen schneller verschleißt? Ich möchte natürlich nicht die Langlebigkeit der Hardware für ein paar Euro Stromersparnis opfern. Gibt es da eine Faustregel für die Auslastung? Mein Haus hat eine Heizlast von etwa 8 kW bei -12 Grad Normaußentemperatur.
Hallo Markus, ich bin selbst Bauherrin und habe mich nach der Installation intensiv mit unserer Anlage beschäftigt. Bei unserem sanierten Altbau habe ich den Heizstab sogar komplett für den normalen Heizbetrieb gesperrt und nur für die Legionellenschaltung freigegeben. Das spart enorm. Wenn es wirklich knackig kalt ist, reicht die WP bei uns trotzdem aus, da wir die Vorlauftemperatur über eine gut abgestimmte Heizkurve niedrig halten können. Mein Tipp: Prüfen Sie, ob Sie die Heizkurve noch etwas flacher stellen können. Oft ist das Problem gar nicht der Heizstab selbst, sondern eine zu steile Kurve, die das System zur Unterstützung zwingt, weil der Vorlauf zu schnell nach oben gejagt wird.
Markus, Ihre Sorge bezüglich des Verschleißes ist bei modernen Inverter-Geräten meist unbegründet. Diese sind darauf ausgelegt, über weite Bereiche zu modulieren. Ein durchlaufender Verdichter schadet weniger als ein ständiges An- und Ausschalten. Bitte beachten Sie beim Thema Heizstab auch die Elektrik. Der Heizstab hat meist eine hohe Stromaufnahme, was bei älteren Installationen die Zuleitungen stärker belastet. Sollten Sie tatsächlich den Bivalenzpunkt weiter absenken, stellen Sie sicher, dass keine thermische Unterversorgung auftritt. Wenn das Gebäude auskühlt, dauert das Wiederaufheizen deutlich länger als die Einsparung wert ist. Ein Blick auf die Stromverbräuche im Vergleich zum Vorjahr hilft, den 'Sweet Spot' zu finden.
Ich sehe das pragmatisch. Warum den Heizstab überhaupt als Krücke nutzen, wenn die Wärmepumpe ihre Arbeit ordentlich macht? Das GEG und die neuen Förderrichtlinien zielen ja gerade auf die Effizienz ab. Wenn Sie den Bivalenzpunkt auf -7 Grad senken, stellen Sie sicher, dass Ihre Umwälzpumpe in dieser Zeit auch wirklich auf optimaler Leistung läuft, damit der Volumenstrom passt. Ich habe bei meiner Anlage zusätzlich eine Hysterese von 3 K für den Heizstab eingestellt. Damit springt er nicht sofort an, falls die Temperatur mal kurz unter den Bivalenzpunkt fällt, sondern erst, wenn die Differenz zum Sollwert wirklich signifikant wird. Das verhindert unnötige Heizstabbetriebe bei kurzzeitigen Kälteeinbrüchen massiv. Viel Erfolg beim Optimieren!
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