Guten Tag, bei der Installation einer leistungsstarken Luft-Wasser-Wärmepumpe in meinem Bestandsbau bereitet mir der Elektroanschluss etwas Kopfzerbrechen. Mein Elektriker hat zwar alle Normen eingehalten, aber wir stellen fest, dass beim Anlaufen des Verdichters das Licht kurz flackert. Die Anlage zieht in diesem Moment signifikant Strom, was mich bei meinem doch etwas betagten Hausanschluss nachdenklich stimmt. Gibt es Möglichkeiten, die Anlauframpe der Wärmepumpe in der Software zu parametrieren, um diesen Peak abzufangen? Zudem frage ich mich, ob eine zusätzliche Pufferung mittels kleiner Kondensatorbank oder ähnlichem hier Abhilfe schaffen könnte, ohne die Garantie der WP zu gefährden. Vielleicht ist das auch nur eine normale Erscheinung bei meiner Leistungsklasse? Über Erfahrungswerte von anderen Hausbesitzern, die eine WP in einem älteren Leitungssystem nachgerüstet haben, wäre ich sehr dankbar. Mich interessiert primär, ob das auf Dauer die Elektronik der anderen Geräte im Haus belastet.
Optimierung der Anlaufströme bei älterem Hausnetz
Guten Tag Dr. K. Das von Ihnen beschriebene Flackern bei Anlauf des Verdichters ist bei älteren Bestandsbauten leider keine Seltenheit. Wenn Sie eine moderne Inverter-Wärmepumpe besitzen, lässt sich in der Regel über die Software eine sogenannte Anlaufstrombegrenzung einstellen, die den Softstart-Prozess zeitlich streckt. Sollten Sie jedoch noch eine ältere On-Off-Anlage betreiben, sind die Möglichkeiten begrenzt. Von einer eigenmächtigen Pufferung durch Kondensatorbänke rate ich dringend ab. Dies greift massiv in die zertifizierte Elektrik der Anlage ein und führt umgehend zum Erlöschen Ihrer Gewährleistungsansprüche. Zudem ist das unter EMV-Gesichtspunkten kritisch zu sehen. Lassen Sie stattdessen einen Netzcheck durch den Fachmann durchführen, um den Innenwiderstand Ihres Hausanschlusses zu prüfen.
Hallo Andreas! Ich kenne das Problem aus eigener Erfahrung bei der Sanierung meines Hauses aus den 70ern. Bei uns hat damals der Einbau eines Sanftstarters, also eines Anlaufstrombegrenzers, Wunder gewirkt. Das Teil kostet nicht die Welt und entlastet das Hausnetz spürbar. Mein Elektriker hat das fachgerecht nach VDE in den Schaltschrank integriert. Seitdem bleibt das Licht auch beim Einschalten der WP stabil. Bezüglich Ihrer Sorge um die anderen Geräte im Haus: Elektronik wie Fernseher oder Router reagieren oft empfindlich auf Spannungseinbrüche. Ein Sanftstarter löst das Problem meist elegant, ohne dass man direkt an der WP-Steuerung selbst basteln muss. Besprechen Sie das mal mit Ihrem Handwerker, das ist eine gängige und sichere Lösung.
Vielen Dank für die schnellen und hilfreichen Antworten. Heike, der Hinweis auf den externen Sanftstarter klingt sehr pragmatisch und ist vermutlich die sicherste Lösung, um die Herstellergarantie nicht zu gefährden. Ich werde meinen Elektriker gezielt darauf ansprechen. Markus, Ihr Einwand bezüglich der EMV und der Gewährleistung hat mich überzeugt, von Eigenbau-Kondensatorlösungen abzusehen. Sicherheit geht vor, gerade weil die Anlage im Rahmen der BEG-Förderung fachgerecht zertifiziert wurde. Ich werde nun erst einmal die Spannungsqualität am Zählerpunkt messen lassen, um zu sehen, ob wir hier vielleicht ohnehin ein größeres Problem mit dem lokalen Netzanschluss haben, bevor wir weiter an der Anlage optimieren.
Als SHK-Meister noch eine Ergänzung zur technischen Einordnung: In der VDI 4645 wird der korrekten Dimensionierung der elektrischen Anlage bei WP-Projekten viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Wenn Ihr Hausanschluss schon bei einer Inverter-WP in die Knie geht, sollten Sie unbedingt prüfen, ob die Zuleitungsquerschnitte ab dem Zählerschrank noch dem heutigen Stand der Technik entsprechen. Oft sind korrodierte Klemmstellen oder zu dünne Leitungen die eigentliche Ursache für den Spannungsfall bei Lastspitzen. Ein Sanftstarter kaschiert zwar das Symptom, behebt aber nicht die Ursache im Leitungssystem. Achten Sie bei der Nachrüstung zudem darauf, dass bei einer Änderung der elektrischen Installation der hydraulische Abgleich der Anlage nicht vergessen wird, falls die WP aufgrund der veränderten Startbedingungen nun in ein anderes Lastregime wechselt. Das ist für die Effizienz laut GEG essenziell.
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