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Destratifikation bei Infrarot-Heizung – sinnvoll oder kontraproduktiv?

von Sabine F. · 07.10.2026, 05:02 · 40 Aufrufe · 4 Antworten

Sabine F. · 07.10.2026, 05:02

Sehr geehrte Fachkollegen, in meinem Planungsbüro diskutieren wir gerade über die Kombination von Infrarot-Deckenstrahlplatten mit Destratifikationsventilatoren in einer Fertigungshalle. Da die Strahlplatten primär die Bodenflächen und Maschinen direkt erwärmen, ist die Raumlufttemperatur zweitrangig. Dennoch steigt bei hoher Deckenhöhe die Lufttemperatur oben unter dem Dach natürlich an. Einige Kollegen argumentieren, dass Ventilatoren die Strahlungswärme durch Luftverwirbelung negativ beeinflussen könnten. Hat jemand von Ihnen konkrete Messergebnisse oder Erfahrungswerte, ob sich die Installation der Ventilatoren bei diesem Heizsystem energetisch überhaupt auszahlt? Wir suchen nach Wegen, den Wärmeverlust durch das Hallendach in den nun kühler werdenden Monaten zu minimieren. Meiner Einschätzung nach bringt die reine Luftumwälzung bei Infrarotsystemen nur bedingt Vorteile, da die Wärme gar nicht in der Luft, sondern in den Oberflächen gespeichert wird. Ich freue mich über eine fachliche Einschätzung zu diesem Ansatz, um unsere Entscheidung für das aktuelle Projekt abzusichern.

Markus K. · 07.10.2026, 05:02

Guten Tag Frau F., das ist eine klassische Fragestellung bei Industriehallen. Als SHK-Meister sehe ich das oft: Die Infrarotstrahler sorgen zwar für ein behagliches Wärmeempfinden an den Arbeitsplätzen, aber physikalisch gesehen bleibt das Problem der thermischen Schichtung bestehen. Die warme Luft staut sich unweigerlich unter der Hallendecke, was die Transmissionswärmeverluste durch das Dach unnötig in die Höhe treibt. Meine Erfahrung zeigt, dass Destratifikatoren hier durchaus Sinn ergeben, sofern sie korrekt gesteuert werden. Sie dürfen natürlich nicht so laufen, dass sie den Kaltluftzug direkt auf die Mitarbeiter richten, was nach Arbeitsstättenrichtlinie sowieso problematisch wäre. Eine sensorbasierte Regelung, die nur bei einer signifikanten Differenz zwischen Decken- und Bodenfühler aktiv wird, ist energetisch absolut sinnvoll und hilft Ihnen bei der Einhaltung der Vorgaben aus dem Gebäudeenergiegesetz.

Sabine F. · 07.10.2026, 05:02

Vielen Dank für diese erste Rückmeldung, Herr K. Das ist ein wichtiger Punkt mit der sensorbasierten Regelung. Wir hatten Sorge, dass eine zu starke Durchmischung die eigentliche Strahlungswirkung konterkariert, weil die Luftmassen dann kühler über die Oberflächen streichen könnten. Können Sie aus der Praxis bestätigen, dass die Behaglichkeit durch diese leichten Luftbewegungen nicht negativ beeinträchtigt wird? Die Normvorgaben im Auge zu behalten, ist bei unseren gewerblichen Projekten ohnehin Pflicht. Wenn wir den Energiebedarf durch die Rückführung der warmen Luftmassen unter dem Dach senken, ist das auch für unsere Energiebilanz im Rahmen der GEG-Nachweise ein valider Hebel. Ich bin gespannt, ob es dazu noch weitere Meinungen gibt, insbesondere zur Frage der Auslegung.

Jens B. · 07.10.2026, 05:02

Servus zusammen, ich bringe mal eine etwas andere Perspektive rein. Wir haben in einer Logistikhalle mit ähnlicher Konstellation Messungen durchgeführt. Wenn die Destratifikatoren zu schnell laufen, ist das Mist. Die Strahlungswärme der Platten ist direkt, aber sobald die Luft zu stark zirkuliert, steigt die operative Temperatur im Raum, was die Steuerung der Infrarotplatten durcheinanderbringt. Wir nutzen jetzt langsam drehende Geräte mit einer drehzahlgeregelten Ansteuerung. Das bringt die Wärme sanft nach unten, ohne dass es zieht. Energetisch hat sich das bei uns nach zwei Heizperioden amortisiert, weil die Thermostate der Strahler seltener anspringen. Mein Tipp: Nicht überdimensionieren. Die Ventilatoren sollen nur schichten, nicht die Halle künstlich zum Windkanal machen. Das spart massiv Energie und die Leute vor Ort meckern auch nicht.

Dr. Elena W. · 07.10.2026, 05:02

Die Diskussion ist aus bauphysikalisch-thermodynamischer Sicht hochspannend. Man muss zwischen der kurzwelligen Strahlungsheizung und der konvektiven Lufterwärmung sauber trennen. Infrarotplatten erwärmen die Umschließungsflächen, was ideal ist, da hier keine Luft als Wärmeträger fungiert. Jedoch erwärmt diese Strahlung sekundär auch die Raumluft. Durch die Destratifikation reduzieren Sie den vertikalen Temperaturgradienten, was den U-Wert des Daches effektiv entlastet, da die Temperaturdifferenz zur Außenluft sinkt. Das ist rein thermodynamisch ein Gewinn. Achten Sie jedoch penibel auf die Anordnung der Fühler, damit die Regelung nicht gegen die Infrarotstrahlung arbeitet. Wenn die Infrarotplatten bei Erreichen der Solltemperatur abschalten, muss die restliche Energie im Raum möglichst gleichmäßig verteilt sein. In Projekten, die wir begleiten, hat sich eine Kombination aus Strahlung und intelligenter Luftschichtung als sehr effizient für die Gesamtbilanz erwiesen.

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