Guten Tag zusammen. Ich stehe derzeit vor einer kniffligen Entscheidung bei meiner Anlagenplanung für ein Zweifamilienhaus. Wir planen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe zur Umstellung von Gas auf regenerative Energien. Mein größtes Kopfzerbrechen bereitet mir aktuell die Trinkwassererwärmung im Bestand. Um die Jahresarbeitszahl nicht unnötig in den Keller zu treiben, würde ich die Vorlauftemperatur für das Warmwasser gerne so niedrig wie möglich halten, also im Bereich um 45 Grad. Wie handhabt ihr das bei der Legionellen-Problematik, wenn man auf die tägliche thermische Desinfektion verzichten möchte? Reicht hier ein entsprechend dimensionierter Frischwasser-Wärmetauscher aus, oder ist das Risiko bei den heute geforderten Volumenströmen für den Bestand zu groß? Ich bin gespannt auf eure fachliche Einschätzung dazu, da ich ungern wegen der WW-Bereitung den COP im Winter komplett durch die Decke gehen lassen will.
Legionellen-Thematik bei WP-Warmwasserbereitung im Altbau
Guten Tag Markus, als SHK-Meister mit Schwerpunkt auf WP-Anlagen kann ich Ihnen bei dem Thema etwas den Wind aus den Segeln nehmen. Die Angst vor der thermischen Desinfektion treibt viele Kunden um, aber bei Ein- oder Zweifamilienhäusern ohne gewerbliche Nutzung ist das Risiko bei korrekter Planung überschaubar. Eine Frischwasserstation ist hier technisch gesehen die eleganteste Lösung. Da das Wasser nur im Durchlauf erwärmt wird, haben Sie kein stagnierendes Speichervolumen im Bereich der Legionellen-Wachstumstemperaturen. Achten Sie jedoch penibel auf die Einhaltung der VDI 4645. Bei 45 Grad Vorlauf müssen Sie den Wärmetauscher überdimensionieren, damit die Zapfleistung bei der gewünschten Auslauftemperatur nicht einbricht. Im Altbau müssen zudem die Rohrleitungen in den Steigsträngen kurz gehalten werden, um den Inhalt unter drei Litern zu halten. Wenn Sie das so umsetzen, ist das hygienisch absolut einwandfrei und Sie schonen die JAZ erheblich.
Hallo Markus, ich kann deine Sorgen absolut nachvollziehen. Wir haben bei unserer Sanierung letztes Jahr auch lange überlegt, weil wir die BEG-Förderung mitnehmen wollten und die Effizienz bei uns an erster Stelle stand. Wir haben uns letztlich für einen Hygienespeicher entschieden, der das Wasser im Durchlaufprinzip über einen Edelstahl-Wellenrohr-Wärmetauscher erwärmt. Wir fahren das System mit 48 Grad Vorlauf und haben bisher keinerlei Probleme. Was dir vielleicht bei der Entscheidung hilft: Das GEG sieht hier im privaten Bereich zwar keine explizite Pflicht zur thermischen Desinfektion vor, aber eine fachgerechte Planung ist das A und O. Lass dir unbedingt einen hydraulischen Abgleich nach Verfahren B erstellen, damit die Volumenströme zur Wärmepumpe wirklich passen. Das spart im Winter mehr Strom, als du durch ein paar Grad höhere Wassertemperatur verlierst.
Vielen Dank für die schnellen Rückmeldungen! Thomas, das mit der VDI 4645 ist ein wertvoller Hinweis, den werde ich direkt mit meinem Installateur besprechen. Bei der Frischwasserstation mache ich mir nur Gedanken über den Kalk. Bei 45 Grad Vorlauftemperatur habe ich Sorge, dass die Wärmetauscherfläche schnell verkrustet, wenn wir hier im Gebiet hartes Wasser haben. Sabine, habt ihr eine Enthärtungsanlage im Einsatz, oder ist das bei euren Temperaturen vernachlässigbar? Ich will halt vermeiden, dass ich nach drei Jahren die ganze Anlage spülen oder den Wärmetauscher tauschen muss. Ist die Angst vor der Verkalkung bei moderaten Temperaturen eher theoretischer Natur oder ein echtes Praxisthema bei den heutigen Anlagen?
Servus Markus, vergiss die Sorge wegen der Kalkbildung bei 45 Grad. Kalk fällt in relevantem Maß erst ab etwa 60 Grad an der Wärmetauscherwand aus. Wenn du mit 45 Grad arbeitest, bist du weit im grünen Bereich. Ich montiere seit Jahren Frischwasserstationen und hatte bisher bei keiner einzigen Anlage ein Problem mit Verkrustungen, sofern der Durchfluss stimmt. Mein Rat: Investiere das Geld lieber in eine wirklich gute Regelung, die die Wärmepumpe exakt auf den Bedarf trimmt, anstatt dir über Legionellen den Kopf zu zerbrechen. Solange kein Totraum im Leitungssystem vorhanden ist und du keine massiven Stagnationsbereiche hast, bist du mit einem Frischwassersystem auf der sicheren Seite. Die JAZ dankt es dir, und die Hygiene bleibt bei deiner gewählten Temperatur absolut stabil. Das ist die effizienteste Lösung für deinen Altbau.
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