Servus zusammen, ich bin gerade dabei, meine Luft-Wasser-Wärmepumpe noch besser in meine 15 kWp PV-Anlage zu integrieren. Jetzt, wo die Tage kürzer werden, ist der Ertrag natürlich bei Weitem nicht mehr so hoch wie im August. Ich überlege, ob es sinnvoll ist, die Wärmepumpe über den SG-Ready Kontakt bei überschüssigem Strom lediglich zur Anhebung der Warmwassertemperatur zu nutzen, statt den Heizungsvorlauf aggressiv anzuheben. Mein Haus ist ein KfW 55 Bau mit Fußbodenheizung, also recht träge. Bringt das wirklich Effizienzgewinne oder verschiebe ich da nur unnötig Energie, die ich im Speicher dann über Nacht wieder verliere? Wie sind eure Erfahrungen? Macht ihr das über ein externes Energiemanagementsystem oder direkt über die herstellereigene Logik der WP? Ich bin gespannt, wie ihr das in der Übergangszeit löst, um den Eigenverbrauch ohne Komforteinbußen zu maximieren.
Smart Grid Ready: Erfahrungen mit PV-Überschusssteuerung im Herbst
Hallo Thomas, das ist ein absolut valider Punkt. Bei einem KfW 55 Haus mit Fußbodenheizung ist die thermische Trägheit Ihr größter Verbündeter, aber auch die größte Falle. Wenn Sie den Vorlauf bei geringem PV-Ertrag unnötig anheben, erhöhen Sie die Systemtemperatur und damit die Vorlauftemperatur, was den COP Ihrer Wärmepumpe massiv verschlechtert. Gemäß VDI 4645 sollten Sie hier besonders auf die Spreizung achten. Ich empfehle Ihnen daher, die SG-Ready-Logik primär für die Warmwasserbereitung zu nutzen. Die thermische Speicherfähigkeit eines 300 Liter Speichers ist zwar geringer als die Ihres gesamten Estrichs, aber die Verluste durch die höhere Systemtemperatur im Heizkreis vermeiden Sie so konsequent. Ein externes EMS ist hierbei meist flexibler als die herstellereigene Logik, da Sie Schwellenwerte für den Überschuss exakt definieren können.
Moin Thomas, ich nutze bei meiner Anlage die herstellereigene Steuerung der Wärmepumpe in Kombination mit einem einfachen Smart Meter. Da ich beruflich viel unterwegs bin, habe ich mich gegen eine Bastellösung mit Home Assistant entschieden, da die Betriebssicherheit nach GEG für mich oberste Priorität hat. Meine Erfahrung aus dem letzten Herbst ist, dass die Anhebung des Warmwassers um 5 Grad bei PV-Überschuss über 2 kW völlig ausreicht. Im Vergleich zum massiven Aufheizen des Estrichs spare ich mir so etwa 15 Prozent Stromkosten pro Monat. Den hydraulischen Abgleich habe ich übrigens im Zuge der Inbetriebnahme penibel dokumentieren lassen, was mir bei der Effizienz extrem hilft. Mein Rat: Versuchen Sie es erst einmal simpel über die interne Logik, bevor Sie Geld in teure Zusatzhardware investieren.
Danke für eure schnellen Rückmeldungen! Sabine, das mit den 5 Grad Anhebung für das Warmwasser klingt nach einem sehr pragmatischen Ansatz, der den Komfort nicht schmälert. Markus, danke für den Hinweis zur VDI 4645. Ich hatte tatsächlich befürchtet, dass ich bei meinem trägen Estrich die Energie eher verschwende, wenn ich die Anlage bei diffusen Lichtverhältnissen zu stark belaste. Ich werde wohl den Weg über die Warmwasser-Pufferung gehen. Das erscheint mir unter dem Aspekt der Anlageneffizienz deutlich sinnvoller, als das ganze Haus aufzuheizen. Die Frage ist jetzt nur noch, wie ich die Schalthysterese am besten einstelle, damit die Pumpe bei einer kurzen Wolkendecke nicht sofort wieder abschaltet und taktet. Hat da jemand von euch Erfahrungswerte, welche Verzögerungszeiten sinnvoll sind?
Guten Tag Thomas, wenn Sie das Takten vermeiden wollen, müssen Sie zwingend mit Einschaltverzögerungen im Energiemanagementsystem arbeiten. Eine reine SG-Ready-Anbindung ist oft zu simpel gestrickt und reagiert sofort auf jede kurzzeitige Leistungsspitze. Als Fachbetrieb rate ich unseren Kunden zu einer Hysterese von mindestens 10 bis 15 Minuten, um die Verdichterlaufzeiten stabil zu halten. Zudem sollten Sie bei der Anbindung sicherstellen, dass die elektrische Installation den VDE-Normen entspricht, insbesondere wenn Sie zusätzliche Schütze in die Verteilung einbauen. Die Optimierung des Eigenverbrauchs ist zwar lobenswert, aber die Lebensdauer des Verdichters durch zu häufiges Anlaufen zu gefährden, ist aus technischer Sicht kontraproduktiv. Bleiben Sie bei der Strategie der Warmwasseranhebung, das ist der goldene Mittelweg für Ihren Gebäudetyp.
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