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Kältemittelverlust bei Kälteverbund: Lecksuche im Herbst

von Matthias R. · 02.10.2026, 05:03 · 15 Aufrufe · 6 Antworten

Matthias R. · 02.10.2026, 05:03

Guten Tag zusammen. Ich betreibe eine Kälteverbundanlage mit R134a in einem kleinen Kühlhauskomplex für Lebensmittel. Seit die Außentemperaturen in den letzten zwei Wochen deutlich gefallen sind, meldet die Anlage regelmäßig einen zu niedrigen Saugdruck, was wohl auf einen leichten Kältemittelverlust hindeutet. Im Sommer hatten wir keine Auffälligkeiten bei den Füllmengen. Ich vermute, dass sich durch die thermische Kontraktion bei den kühleren Nächten eine undichte Lötstelle an den Außenleitungen leicht geweitet hat. Wir haben bereits eine Sichtprüfung der Verbindungen vorgenommen, konnten aber ohne Lecksuchgerät nichts finden. Hat jemand von Ihnen Erfahrung, ob solche Undichtigkeiten bei Temperaturschwankungen typisch sind, oder sollte ich primär den Verflüssiger auf Haarrisse prüfen? Wie gehen Sie bei der Fehlersuche unter den aktuellen Bedingungen vor? Ich möchte den Kältemittelverlust stoppen, bevor die richtige Kältesaison beginnt und wir die Anlage unter Volllast fahren. Für einen fachlichen Rat zur Vorgehensweise wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Klaus M. · 02.10.2026, 05:03

Guten Tag Matthias. Dass das Problem erst bei fallenden Temperaturen auftritt, ist physikalisch absolut schlüssig. Durch die thermische Kontraktion der Leitungen bei der Abkühlung ziehen sich die Werkstoffe zusammen, was bei minimalen Gefügestörungen in Lötstellen oder Verschraubungen oft das entscheidende Quäntchen Spielraum für den Austritt von Kältemittel schafft. Ein klassisches Problem bei älteren Bestandsanlagen. Ich empfehle Ihnen dringend, nicht nur den Verflüssiger zu prüfen, sondern auch die schwingungsgedämpften Verbindungen. Oft sind es die Vibrationen des Kompressors in Kombination mit der Materialhärte bei Kälte, die solche Lecks provozieren. Nutzen Sie zwingend ein elektronisches Lecksuchgerät nach DIN EN 14624. Falls Sie zertifiziertes Personal nach der ChemKlimaschutzV sind, führen Sie die Suche bei leicht überhöhtem Stillstandsdruck durch, das macht sich kleinste Lecks oft leichter bemerkbar.

Sabine H. · 02.10.2026, 05:03

Hallo Matthias, ich schließe mich Klaus an. Bei unseren Kühlhausprojekten hatten wir ähnliche Symptome oft an den Schraderventilen oder den Lötstellen direkt am Verflüssigereintritt. Diese Punkte unterliegen durch die thermische Wechselbelastung der höchsten mechanischen Spannung. Sollten Sie tatsächlich ein Leck finden, denken Sie bitte an die gesetzlichen Dokumentationspflichten gemäß der EU-Verordnung 517/2014. Jede Reparatur muss in Ihr Anlagenlogbuch eingetragen werden, besonders wenn Kältemittel nachgefüllt werden muss. Wenn Sie kein Leck finden, prüfen Sie sicherheitshalber mal die Einstellungen des Druckwächters. Manchmal täuscht ein verstellter Druckwächter bei kühleren Außentemperaturen eine Unterfüllung vor, weil der Verflüssigungsdruck für die aktuelle Lastregelung einfach zu niedrig liegt.

Matthias R. · 02.10.2026, 05:03

Vielen Dank für die schnellen Rückmeldungen. Den Tipp mit dem Druckwächter werde ich direkt morgen früh prüfen, das wäre natürlich ein deutlich geringerer Aufwand als eine umfassende Lecksuche im gesamten Rohrnetz. Die Dokumentationspflichten nach der F-Gas-Verordnung habe ich natürlich auf dem Schirm. Sollte es doch eine Undichtigkeit sein, werde ich den Druck der Anlage kontrolliert erhöhen, um die Stelle mittels Lecksuchspray oder elektronischem Detektor besser einzugrenzen. Ich melde mich wieder, sobald ich die ersten Messwerte vom Regler habe.

Jens W. · 02.10.2026, 05:03

Servus Matthias. Vergiss bei der Fehlersuche nicht die Übergänge von Kupfer auf Stahl oder andere Werkstoffe an den Sammlern. Die unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten führen genau bei den herbstlichen Temperaturstürzen oft zu Haarrissen im Lot. Ich habe das in den letzten Jahren bei drei Anlagen genau so erlebt. Mein Rat: Wenn du die Anlage ohnehin öffnen musst, überlege dir gleich eine Rückgewinnung des restlichen R134a. Bei einem GWP-Wert von über 1400 ist das Zeug ohnehin ein Auslaufmodell und teuer in der Beschaffung. Vielleicht ist der Umstieg auf ein moderneres Kältemittel mit niedrigerem GWP für deine Anlage langfristig wirtschaftlicher, falls die Instandsetzung der alten Leitungen aufwendiger wird.

Dieter K. · 02.10.2026, 05:03

Guten Tag zusammen. Nur ein kurzer Einwurf aus der planerischen Sicht: Achten Sie bei der Reparatur unbedingt auf die fachgerechte Durchführung nach VDI 4645. Es geht hier nicht nur um das Stoppen des Lecks, sondern auch um die langfristige Betriebssicherheit der Kälteanlage. Ein unsachgemäßes Nachlöten ohne Stickstoffspülung während des Schweißvorgangs kann Ihnen durch Oxidationsrückstände im Rohrnetz das Expansionsventil zusetzen. Matthias, wenn Sie selbst kein zertifizierter Kälteanlagenbauer sind, beauftragen Sie für die eigentliche Reparaturarbeit bitte einen Fachbetrieb. Die ChemKlimaschutzV lässt hier keinen Spielraum für Eigenleistungen, wenn es um den Eingriff in den Kältekreislauf geht. Sicherheit geht vor, gerade bei Lebensmitteln.

Matthias R. · 02.10.2026, 05:03

Dieter, danke für den Hinweis auf die VDI 4645. Ich habe tatsächlich einen Kälte-Fachbetrieb an der Hand, der die Reparatur durchführen wird, sobald ich den Fehler lokalisiert habe. Ich beschränke mich auf die Diagnose und die Vorbereitungen. Jens, der Hinweis mit dem GWP von R134a ist berechtigt. Ich habe bereits ein Angebot für einen Retrofit auf ein alternatives Kältemittel angefordert, aber das sprengt aktuell den Rahmen der Herbstwartung. Erstmal muss die Anlage dicht sein, damit die Kühlung der Lebensmittel sichergestellt ist. Ich werde berichten, ob es am Druckwächter oder tatsächlich am Rohrnetz lag.

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