Guten Tag zusammen. Ich betreibe eine Lagerhalle mit etwa 8,5 Metern Deckenhöhe. Im Sommer war die Temperaturverteilung durch die reine Konvektion und das offene Tor kein Thema, aber jetzt, wo die ersten kühlen Nächte kommen, macht sich die Schichtung bemerkbar. Am Boden habe ich 14 Grad, während es unter der Decke deutlich wärmer ist. Ich überlege nun, meine installierten Destratifikationsventilatoren für die kommende Heizsaison feinabzustimmen. Bisher liefen diese recht starr. Gibt es hier im Forum Erfahrungswerte, ab welcher Temperaturdifferenz zwischen Hallenboden und Decke eine drehzahlgeregelte Ansteuerung wirklich wirtschaftlich sinnvoll ist? Ich möchte unnötige Zuglufterscheinungen für die Mitarbeiter in der Kommissionierung vermeiden. Mich würde interessieren, ob jemand von Ihnen die Regelung über einen einfachen Raumthermostat mit Delta-T-Fühler realisiert hat oder ob eine komplexere Anbindung an die Gebäudeleittechnik zwingend notwendig ist, um den Energieverlust durch das Hallendach effektiv zu minimieren. Danke für eure fachliche Einschätzung.
Temperaturschichtung in hoher Lagerhalle: Lüftersteuerung im Herbst?
Hallo Markus, ich betreibe seit drei Jahren eine ähnliche Halle mit neun Metern Firsthöhe. Aus meiner Erfahrung ist eine starre Steuerung in der Tat ineffizient und führt bei den Mitarbeitern zu Beschwerden über Zugluft, sobald die Ventilatoren bei zu geringer Differenz anlaufen. Ich setze bei mir auf eine einfache Differenztemperaturregelung mit zwei PT1000-Fühlern. Eine komplexe Gebäudeleittechnik ist bei deiner Hallengröße meist mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Wenn du die Differenz auf etwa 3 bis 4 Kelvin einstellst, hast du ein gutes Fenster. Die Ventilatoren laufen dann nur, wenn sich unter dem Dach ein signifikanter Wärmestau bildet. Das spart ordentlich Heizkosten, da du die warme Luft aktiv nach unten holst, anstatt sie durch das Hallendach zu verlieren.
Danke Thomas, das klingt nach einem pragmatischen Ansatz. Drei bis vier Kelvin Differenz klingen plausibel, um einerseits die Schichtung aufzubrechen und andererseits die Luftgeschwindigkeiten in der Kommissionierzone gering zu halten. Hast du die Fühler einfach an der Wand montiert oder in der Hallenmitte abgependelt? Ich mache mir noch etwas Sorgen bezüglich der Elektrik. Muss ich bei einer Nachrüstung der drehzahlgeregelten Ansteuerung zwingend eine Abnahme durch eine Elektrofachkraft nachweisen, auch wenn die Steuerung eigenständig in einem Schaltkasten montiert wird? Nicht, dass es im Falle einer Brandschutzprüfung Probleme gibt.
Guten Tag Markus, als SHK-Meister möchte ich kurz auf die elektrotechnische Seite eingehen. Jede sicherheitsrelevante Änderung an der Steuerung Ihrer Anlage muss gemäß den anerkannten Regeln der Technik durchgeführt werden. Eine Elektrofachkraft sollte den Anschluss vornehmen, insbesondere um die geltenden Normen und den Brandschutz zu gewährleisten. Das GEG schreibt zudem vor, dass Anlagentechnik effizient betrieben werden muss; eine unkontrollierte Lüftung widerspricht dem. Bezüglich der Messfühler empfehle ich dringend eine Platzierung in der Hallenmitte. Wandfühler verfälschen das Ergebnis oft, da die Gebäudehülle im Herbst schneller auskühlt als die Luftschicht unter dem Dach. Wenn Sie den hydraulischen Abgleich Ihrer Heizkörper oder Heizregister in der Halle bereits durchgeführt haben, könnte eine Integration in die Heizungsregelung sogar förderfähig im Rahmen der BEG-Sanierungsmaßnahmen sein.
Servus zusammen, ich kann mich Bernd nur anschließen. Wir haben in unserer Montagehalle letztes Jahr die gesamte Steuerung auf eine SPS-Basis umgestellt, die unter anderem auch die Öffnungszeiten der Tore berücksichtigt. Das bringt den größten Spareffekt. Wenn das Tor offen steht, schalten die Destratifikatoren hart ab, um den Wärmeverlust nicht noch durch die zusätzliche Luftbewegung zu forcieren. Die Investition amortisiert sich bei uns durch die sinkenden Gasverbräuche schon nach zwei Heizperioden. Die Mitarbeiter sind froh, weil wir die Gebläsedrehzahl so programmiert haben, dass sie sanft anfährt und nicht plötzlich einen kalten Luftschwall nach unten drückt. Ein sanfter Anlauf ist der Schlüssel zur Mitarbeiterzufriedenheit.
Ich möchte hier mal eine abwägende Perspektive einwerfen. Sicherlich ist eine intelligente Steuerung sinnvoll, aber bedenkt bitte die Wartungskosten und die Komplexität der Sensortechnik in einer Lagerhalle. Staub und Schmutz in der Luft können die Messwerte von billigen Sensoren über die Zeit verfälschen, was dazu führt, dass die Regelung unsinnige Dinge tut. Bevor man in komplexe Regelungen investiert, sollte man prüfen, ob die Dachdämmung wirklich dem Stand der Technik entspricht. Manchmal ist die thermische Ertüchtigung des Daches wirtschaftlicher als das ständige Umwälzen von Luftschichten, die man eigentlich gar nicht erst bis unter das Dach hätte gelangen lassen sollen. Bitte prüfe zudem, ob eine solche Maßnahme nach VDI 4645 für dein System überhaupt sinnvoll umsetzbar ist.
Danke für die vielen fundierten Hinweise. Das mit der Verschmutzung der Sensoren ist ein guter Punkt, Jürgen, darauf werde ich bei der Auswahl der Gehäuse achten. Auch der Hinweis auf die Torsteuerung von Sabine ist extrem wertvoll, das werde ich direkt mit meinem Elektriker besprechen, da die Tore ohnehin über Endlagenschalter verfügen. Ich werde wohl den Weg über eine einfache SPS-Lösung gehen, die mir die Differenztemperatur auswertet und die Drehzahl über 0-10V steuert. Das scheint mir das beste Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen zu sein. Sobald die Anlage läuft, werde ich hier berichten, ob sich die Heizkosten wie erhofft reduziert haben. Eure Unterstützung war Gold wert!
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