Moin, ich betreibe aktuell eine mittelgroße Lagerhalle, die noch komplett über alte Gas-Dunkelstrahler beheizt wird. Da die Anlagen jetzt 15 Jahre alt sind und die Wartungskosten steigen, überlege ich, ob eine Umstellung auf eine luftgeführte Wärmepumpen-Lösung im Rahmen des GEG energetisch sinnvoll ist. Der Einbau von Wärmepumpen in hohen Hallen ist ja immer so eine Sache mit der Effizienz. Wie seht ihr das bezüglich der Amortisation? Lohnt sich der Umstieg überhaupt, wenn man die hohen Investitionskosten für die Luftführungskanäle bedenkt? Ich möchte ungern eine Anlage installieren, die bei Minustemperaturen nur noch über den Heizstab läuft, nur um die Heizlast zu decken. Gibt es hier praxiserprobte Konzepte für Industriehallen, die auch bei niedrigen Außentemperaturen noch akzeptable Arbeitsbedingungen schaffen, ohne das Budget zu sprengen? Ich bin über jede Meinung oder Fallstudie zu diesem Thema dankbar, da ich aktuell noch zwischen einer Teilsanierung der Gastechnik und dem kompletten Wechsel auf elektrische WP-Systeme schwanke.
Umnutzung von Gas-Dunkelstrahlern auf Wärmepumpensysteme – GEG Konformität
Hallo Tobias, als SHK-Meister mit Schwerpunkt Industrielösungen sehe ich das Thema etwas kritisch. Der Wechsel von Dunkelstrahlern auf luftgeführte Wärmepumpen ist energetisch meist ein Rückschritt, da Sie bei Hallen mit großer lichter Höhe enorme Volumenströme benötigen, um die Wärme in den Aufenthaltsbereich zu bringen. Die Schichtung der warmen Luft unter dem Dach führt bei klassischer Luftführung zu massiven Energieverlusten. Wenn Sie nicht ohnehin eine umfassende Dachdämmung planen, ist die JAZ Ihrer Wärmepumpe im Winter unterirdisch. Prüfen Sie stattdessen moderne Gas-Brennwert-Dunkelstrahler. Diese sind förderfähig nach BEG, wenn sie den aktuellen Anforderungen des GEG entsprechen, und haben deutlich geringere Investitionskosten als eine groß dimensionierte Wärmepumpen-Kaskade samt Kanalsystem. Bleiben Sie realistisch bei der Amortisation: Eine WP-Lösung rechnet sich hier meist nur, wenn Sie eine PV-Anlage in großem Stil auf dem Dach haben, um den Heizstab bei Frostphasen wirtschaftlich zu betreiben.
Moin Tobias, ich habe letztes Jahr in unserer Logistikhalle genau diesen Umstieg vollzogen. Wir haben uns für eine Kombination aus Luft-Wasser-Wärmepumpen und dezentralen Decken-Umluftheizern mit Wärmetauschern entschieden. Wichtig war uns dabei die Einhaltung der VDI 4645, besonders bei der Planung der hydraulischen Einbindung. Klar, das war eine Stange Geld, aber wir nutzen jetzt die Abwärme unserer Maschinen und eine PV-Anlage auf dem Dach. Im ersten Winter lief die Anlage erstaunlich effizient. Man darf die Wärmepumpe nicht auf 60 Grad Vorlauf quälen, sondern muss mit großen Wärmetauschflächen arbeiten. Der hydraulische Abgleich ist hier das A und O, um die Strömungsverluste in den langen Leitungen zu minimieren. Wenn Sie die Förderung über die KfW mitnehmen, sieht die Rechnung zur Amortisation plötzlich ganz anders aus als bei einer reinen Kalkulation aus Eigenmitteln.
Danke für die schnellen Rückmeldungen! Markus, das bestätigt meine Befürchtungen bezüglich der Schichtung und der JAZ bei hohen Hallen. Der Hinweis auf die dezentralen Umlufterhitzer von Sandra klingt jedoch nach einem interessanten Mittelweg. Wie habt ihr das mit der Regelung gelöst, damit die Heizung nicht ständig gegen die kalte Hallenaußenhaut arbeitet? Die Kombination mit einer PV-Anlage ist bei uns vorhanden, allerdings ist die Ausrichtung für den Wintereintrag nicht optimal. Ich werde mich wohl mal mit einem Energieberater zusammensetzen und die VDI 4645 spezifisch für unsere Hallenhöhe durchrechnen lassen. Ein hydraulischer Abgleich wird wohl unumgänglich, auch wenn es bei 15 Jahre alten Bestandsrohren ein ziemlicher Akt ist. Ich tendiere nun eher dazu, ein hybrides System zu prüfen, statt die Gasstrahler komplett rauszuschmeißen.
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