Guten Tag die Herren, bei meinen gewerblichen Kühlaggregaten, die teilweise exponiert auf dem Flachdach stehen, mache ich mir Gedanken über die anstehende Kälteperiode. Speziell bei den Scrollverdichtern stellt sich mir die Frage, ob eine nachgerüstete Ölsumpfheizung im Hinblick auf den Kältemittel-Migrationsprozess bei jetzt deutlich kühleren nächtlichen Temperaturen zwingend erforderlich ist. Bisher sind die Anlagen im Dauerbetrieb, aber bei den kommenden Stillstandzeiten in der Übergangszeit möchte ich einen Kältemitteleintrag in das Öl und den daraus resultierenden Flüssigkeitsschlag beim Wiederanlauf definitiv vermeiden. Wie handhabt ihr das bei euren Bestandsanlagen in Norddeutschland? Lohnt sich der Eingriff in die Verdichterverkabelung zur Ansteuerung über einen Thermostaten oder sollte man hier besser auf ein zeitgesteuertes Relais setzen? Ich bin an eurer fachlichen Einschätzung zur Ausfallsicherheit solcher Nachrüstungen sehr interessiert, da ein Verdichterschaden mein Budget in diesem Quartal massiv belasten würde.
Ölsumpfheizung bei Scrollverdichtern in Außenaufstellung im Herbst
Guten Tag Markus, als erfahrener SHK-Meister mit Fokus auf gewerbliche Kältetechnik kann ich Ihnen nur dringend zur Nachrüstung raten. Bei exponierten Standorten auf Flachdächern ist das Risiko der Kältemittelmigration bei Stillstandzeiten in der Übergangszeit schlichtweg zu hoch. Die Viskosität des Öls nimmt bei sinkenden Temperaturen rapide ab, was den Schmiervorgang beim Wiederanlauf kritisch gefährdet. Ich empfehle Ihnen eine direkte Ansteuerung über einen Thermostaten, der fest auf etwa 10 Grad Celsius eingestellt ist. Ein zeitgesteuertes Relais ist hier oft zu unflexibel und berücksichtigt die tatsächliche Außentemperatur nicht korrekt. Achten Sie bei der Elektroinstallation zwingend darauf, dass nur eine qualifizierte Elektrofachkraft die Arbeiten vornimmt, um die Betriebserlaubnis gemäß ChemKlimaschutzV nicht zu gefährden.
Moin Markus, ich sehe das ein wenig entspannter als mein Vorredner. Wir betreuen im Hamburger Raum einige Anlagen, die seit Jahren ohne Ölsumpfheizung laufen, sofern der Verdichter durch eine geschickte Phasensteuerung oder eine längere Vorwärmzeit geschützt ist. Ein Eingriff in die Verdichterverkabelung ist immer ein hohes Risiko für die Gewährleistung, besonders wenn die Anlage noch jung ist. Prüfen Sie doch erst einmal, ob Ihre Steuerung nicht bereits eine automatische Pump-Down-Schaltung unterstützt. Das ist oft die sauberere Lösung, um den Kältemitteleintrag in den Ölsumpf komplett zu verhindern. Sollten Sie trotzdem heizen wollen, nutzen Sie bitte nur Original-Heizbänder des Verdichterherstellers, sonst verlieren Sie im Schadensfall jegliche Ansprüche. Erfahrungsgemäß ist ein defekter Schütz nach der Nachrüstung ein häufigeres Problem als der eigentliche Flüssigkeitsschlag.
Danke für die schnellen Antworten. Jens, an die Pump-Down-Option habe ich gar nicht mehr gedacht, das wäre natürlich die eleganteste Variante ohne zusätzliche Hardware. Ich werde das morgen in der Parametrierung der Steuerung prüfen. Sollte das dort nicht implementiert sein, werde ich wohl den Weg von Klaus gehen. Eine kurze Rückfrage an die Profis: Wenn ich das Thermostat einbaue, sollte ich dann auch die Isolierung der Verdichterhülle verstärken, damit die Wärme nicht direkt wieder an den Wind verloren geht? Mir geht es vor allem darum, den Energiebedarf durch die Heizung im Rahmen zu halten, um die Betriebskosten der Anlage nicht unnötig in die Höhe zu treiben.
Hallo Markus, unbedingt! Eine gute Dämmung der Verdichterhülle ist bei einer Nachrüstung der Ölsumpfheizung fast genauso wichtig wie die Heizung selbst. Ohne Isolierung heizen Sie bei starkem Wind im Herbst sonst buchstäblich die Außenluft, anstatt den Ölsumpf konstant auf der nötigen Temperatur zu halten. Ich habe bei meinen Projekten oft gute Erfahrungen mit einer passgenauen Armaflex-Matte gemacht, die zusätzlich zur Heizung verbaut wird. Beachten Sie jedoch bei der Dämmung, dass das Gehäuse des Verdichters für Wartungszwecke oder bei thermischer Überlastung die Hitze noch abführen können muss. Eine Überhitzung darf durch das Dämmmaterial keinesfalls riskiert werden. Bleiben Sie daher bei diffusionsoffenen, temperaturbeständigen Materialien, die auch den Anforderungen der VDI 4645 entsprechen.
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