Sehr geehrte Kollegen, in einem aktuellen Sanierungsobjekt rüsten wir ein Bestandsgebäude auf eine Luft-Wasser-Wärmepumpe um. Die vorhandene Verrohrung der Radiatoren ist jedoch recht unübersichtlich und ein vollumfänglicher hydraulischer Abgleich nach Verfahren B ist aufgrund fehlender Datenblätter der alten Thermostatventile kaum wirtschaftlich durchführbar. Wir diskutieren intern, ob ein grober Abgleich über die voreinstellbaren Ventile sowie eine Anpassung der Pumpenkennlinie ausreicht, um die für Wärmepumpen kritische Spreizung dauerhaft im effizienten Bereich zu halten. Mein Bedenken ist, dass wir sonst im Winter, wenn die Last steigt, Probleme mit der Rücklauftemperatur bekommen, die die Effizienz massiv drücken könnte. Welche Erfahrungen habt ihr mit Vereinfachungen beim Abgleich im Bestand gemacht? Ist eine leichte Überdimensionierung der Heizkörper hier ein valider Weg, um die notwendige Spreizung bei niedrigerer Vorlauftemperatur abzufangen, oder ist das Risiko für einen unruhig laufenden Betrieb zu hoch? Ich bin gespannt auf Ihre praktischen Ansätze.
Hydraulischer Abgleich bei Radiatoren: Reicht ein grober Abgleich für die WP?
Guten Tag Andreas, vielen Dank für den praxisnahen Beitrag. In der täglichen Sanierungspraxis stehen wir bei Altanlagen oft vor genau diesem Dilemma. Wenn der Aufwand für Verfahren B die Wirtschaftlichkeit sprengt, arbeiten wir oft mit einem optimierten Volumenstromabgleich. Dabei drosseln wir die hydraulisch bevorzugten Kreise nach einer überschlägigen Berechnung und nutzen die hocheffiziente Umwälzpumpe, um die Spreizung über die Pumpenkennlinie stabil bei etwa 5 Kelvin zu halten. Das funktioniert in der Regel gut, sofern die Heizflächen nicht extrem unterdimensioniert sind. Bezüglich Ihrer Frage zur Überdimensionierung: Ja, das ist absolut der richtige Weg. Wir tauschen in solchen Fällen kritische Typ-11-Heizkörper oft gegen Typ-22 oder Typ-33 aus, um die Systemtemperatur weiter abzusenken. Das spart nicht nur Stromkosten für die Wärmepumpe, sondern ist auch für die BEG-Förderfähigkeit nach GEG eine saubere Argumentationsgrundlage.
Hallo Andreas, ich sehe das ähnlich wie Markus, bin aber etwas vorsichtiger. Ein rein grober Abgleich ohne saubere Datenbasis führt bei der Wärmepumpe im Winter schnell zum takten, wenn einzelne Räume den Wärmebedarf nicht decken und die Thermostate wild auf- und zumachen. Wir hatten neulich einen Fall, da hat das zu einer katastrophalen Arbeitszahl geführt, weil der Rücklauf ständig zu heiß zurückkam. Mein Rat: Wenn ihr die Ventile nicht kennt, baut lieber voreinstellbare Einsätze ein, statt nur am Ventil zu raten. Das kostet nicht die Welt und gibt euch die notwendige Sicherheit für die VDI 4645 Konformität. Eine leichte Überdimensionierung der Radiatoren ist zwar theoretisch super, aber wenn der Durchfluss durch die unklare Verrohrung im Bestand nicht stimmt, bringt euch auch die größte Fläche nichts.
Danke für die schnellen Rückmeldungen, Kollegen. Stefan, dein Einwand mit dem Taktverhalten bei ungleichmäßiger Raumbeheizung ist ein valider Punkt, den wir bei der Abstimmung mit dem Bauherrn einbeziehen müssen. Der Austausch der Ventileinsätze ist ein guter Kompromiss zwischen Verfahren A und B, den wir so wohl umsetzen werden. Markus, dein Hinweis mit dem Tausch auf größere Heizkörpertypen klingt vernünftig. Wir werden im nächsten Schritt eine Heizlastberechnung pro Raum machen und schauen, wo wir mit der Vorlauftemperatur landen. Wenn wir die Anlage auf eine maximale Spreizung von 5 bis 7 Kelvin bei Auslegungstemperatur bringen können, sollte das laut VDI-Richtlinie einen effizienten Betrieb ermöglichen. Wir gehen dann wohl den Weg des Tauschs der kritischen Radiatoren, um das Gesamtsystem für den Kunden nachhaltig stabil zu halten.
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