Guten Tag zusammen. Ich betreibe seit dem letzten Jahr eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem Bestandshaus mit Heizkörpern, allerdings ohne zusätzlichen Pufferspeicher. Jetzt, wo die Temperaturen nachts langsam in den einstelligen Bereich fallen, beobachte ich, wie die Anlage vermehrt taktet, um die Vorlauftemperatur für die Übergangszeit zu halten. Ich überlege nun, ab welcher Außentemperatur es technisch sinnvoll ist, den Heizstab als Unterstützung freizugeben, um die Verdichterlaufzeiten zu schonen und ein zu häufiges Start-Stopp-Verhalten zu vermeiden. Ist dies bei meiner Konfiguration ohne Puffer überhaupt ratsam, oder riskiere ich damit unnötig hohe Stromkosten, die in keinem Verhältnis zum Verschleißschutz stehen? Wie handhabt ihr das in der Übergangszeit, um die Anlage in einem effizienten Bereich zu halten? Über fachliche Einschätzungen zur Konfiguration der Bivalenzgrenze in Bezug auf die Hydraulik würde ich mich freuen. Vielen Dank für Ihre Mühe.
Übergangszeit: Heizstab-Einsatz bei bivalentem Betrieb ohne Puffer?
Guten Tag Markus. Als SHK-Meister rate ich Ihnen dringend davon ab, den Heizstab zur Taktvermeidung einzusetzen. Das ist energetisch gesehen ein Rückschritt, da Sie damit teuren Strom eins zu eins in Wärme umwandeln. Bei einem System ohne Pufferspeicher ist das Taktverhalten meist auf eine mangelnde Durchströmung oder einen fehlenden hydraulischen Abgleich zurückzuführen. Haben Sie diesen bereits nach VDI 4645 durchgeführt? Oft hilft es, die Heizkurve weiter zu senken oder einzelne Thermostate in ungenutzten Räumen voll zu öffnen, um dem Gerät den nötigen Volumenstrom zu verschaffen. Das Takten in der Übergangszeit ist bei vielen Luft-Wasser-Wärmepumpen bauartbedingt, da die Mindestleistung oft höher liegt, als das Haus bei milden Außentemperaturen abnimmt. Den Heizstab als Krücke zu verwenden, verhagelt Ihnen nicht nur die JAZ, sondern ist auch bei einem Bestandshaus ökonomisch nicht sinnvoll.
Vielen Dank, Andreas. Die Argumentation leuchtet ein. Den hydraulischen Abgleich habe ich bereits im Zuge der Sanierung durchführen lassen, allerdings scheint die Hydraulik bei geschlossenen Einzelraumreglern doch an ihre Grenzen zu stoßen, wenn die Wärmepumpe ihre Wärme nicht loswird. Ich werde mich also eher auf die Anpassung der Heizkurve konzentrieren, statt den Heizstab zuzuschalten. Eine kurze Rückfrage: Wäre bei extremeren Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ein Puffer nicht doch die bessere Lösung, um das Taktverhalten auch ohne Heizstabeinsatz dauerhaft zu unterbinden? Oder ist das Risiko von Wärmeverlusten bei einem weiteren Speicher im Keller zu hoch, wenn man bedenkt, dass die Effizienz der Wärmepumpe gerade im Winter am wichtigsten ist?
Hallo zusammen! Ich bin zwar nur Bauherrin, aber bei meiner Anlage habe ich genau das gleiche Szenario erlebt. Mein Heizungsbauer hat mir damals auch vom Heizstab abgeraten. Ich habe stattdessen meine Heizzeiten optimiert. Die Wärmepumpe läuft jetzt nur noch tagsüber, wenn es draußen etwas wärmer ist. Das Haus speichert die Wärme über den Beton und den Estrich als natürlichen Puffer. Versuch doch mal, die Anlage nachts komplett abzuschalten oder stark abzusenken. Seit ich das so mache, sind die Verdichterstarts um fast die Hälfte zurückgegangen. Der Stromverbrauch ist dadurch sogar leicht gesunken, weil die Pumpe am Tag in einem effizienteren Bereich arbeitet, wenn die Lufttemperatur höher ist. Vielleicht hilft dir dieser simple Ansatz ja auch weiter, ohne dass du gleich an die Hydraulik oder den Heizstab gehen musst.
Markus, lass den Heizstab aus. Das ist bei modernen Anlagen absolut kontraproduktiv. Ich betreibe meine WP in einem ähnlichen Setup ohne Puffer. Um das Takten in der Übergangszeit zu minimieren, habe ich die Spreizung der Vor- und Rücklauftemperatur über die Pumpenleistung leicht angepasst. Wenn die Umwälzpumpe etwas schneller läuft, kann die Wärmepumpe die Energie besser ins Gebäude abgeben, bevor sie den Sollwert erreicht und abschaltet. Ein Puffer ist im Nachhinein oft nur eine Fehlerquelle für Effizienzverluste, besonders wenn er nicht optimal gedämmt ist. Wenn du nach dem GEG energetisch saniert hast, sollte die Heizlast deines Hauses eigentlich niedrig genug sein, um das Takten über die Regelung in den Griff zu bekommen. Investiere lieber Zeit in die feine Justierung der Parameter als in zusätzliche Hardware.
Guten Tag. Ergänzend zu den Vorrednern möchte ich kurz auf den regulatorischen Aspekt eingehen. Der Einsatz des Heizstabs wird in den Förderrichtlinien der BEG oft kritisch gesehen, wenn er den JAZ-Wert unter eine bestimmte Grenze drückt. Ein Bivalenzpunkt, der zu hoch angesetzt ist, führt dazu, dass die Wärmepumpe ihren Vorteil gegenüber fossilen Systemen verliert. Wenn Ihre Anlage stark taktet, prüfen Sie bitte auch die Hysterese der Regelung. Manchmal ist der eingestellte Bereich schlicht zu eng gewählt. Eine leichte Erhöhung der Hysterese sorgt für längere Laufzeiten und längere Pausen. Das schont den Verdichter mehr, als wenn er ständig mit dem Heizstab gegen die Taktung ankämpft. Die Hydraulik ohne Puffer ist technisch völlig in Ordnung, sofern der Mindestvolumenstrom gesichert bleibt. Viel Erfolg bei der weiteren Optimierung Ihrer Anlage.
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