Moin, meine Sole-WP läuft nun in das vierte Jahr. Über den Sommer habe ich die Bohrung durch eine kontrollierte Abkühlung der Räume regeneriert, was auch super funktioniert hat. Jetzt, bei den ersten herbstlichen Temperaturen, bemerke ich jedoch, dass die Soleeingangstemperatur beim Start der WP schneller abfällt als in den Vorjahren. Die Anlage ist jetzt im September bereits öfter im Einsatz. Ist das ein Anzeichen dafür, dass der Boden noch nicht wieder komplett auf dem ursprünglichen Temperaturniveau angekommen ist, oder sollte ich den Anlagendruck im Solekreis prüfen? Ich habe ein bisschen Bedenken, dass die Entzugsleistung der Sonde durch die sommerliche Kühlung jetzt im Übergang nicht mehr ganz ausreicht, um die Effizienz wie gewohnt zu halten. Wer hat ähnliche Projekte mit aktiver Regeneration umgesetzt und kann mir sagen, ob sich das nach dem ersten richtigen Frost wieder normalisiert? Über eine Einschätzung aus der Praxis würde ich mich sehr freuen.
Sole-Wärmepumpe: Soletemperatur sinkt nach Regeneration im Sommer
Guten Tag Jens, als SHK-Meister mit Schwerpunkt Geothermie sehe ich dieses Phänomen öfter. Wenn Sie die Bohrung aktiv regeneriert haben, also Wärme aus dem Haus in die Sonde geschickt haben, ist die thermische Bilanz des Erdreichs direkt um die Sonde herum kurzzeitig verändert. Dass der Soleeingang schneller abfällt, ist physikalisch plausibel, da das Erdreich in den unmittelbaren Randzonen noch nicht wieder die tiefer liegenden Temperaturschichten ausgeglichen hat. Prüfen Sie unbedingt zuerst den Anlagendruck im Solekreis laut VDI 4645. Oft verbergen sich hier banale Ursachen wie ein nicht korrekt arbeitendes Ausdehnungsgefäß, was den Wärmeübergang verschlechtert. Solange die Solekonzentration stimmt, sehe ich bei einer Anlage im vierten Jahr keinen Grund zur Panik. Beobachten Sie den Verlauf bis zum ersten Frost, dann stabilisiert sich die Entzugsleistung in der Regel wieder.
Moin Jens, bei mir lief das ähnlich. Ich nutze die passive Kühlung seit drei Jahren und hatte anfangs genau wie du Sorge, dass mein Boden die Energie nicht mehr hergibt. Aber mal ehrlich: Im Übergangsbereich schaltet die WP bei mir öfter, da sind die Entzugszeiten meist kurz. Die Sonde regeneriert sich über die Wintermonate durch den reinen Wärmefluss aus den tieferen Erdschichten von ganz alleine. Hast du mal den Volumenstrom im Solekreis gecheckt? Vielleicht ist die Umwälzpumpe nach dem Sommer-Modus nicht wieder in die optimale Kennlinie gesprungen. Ich würde da nicht zu viel hineininterpretieren, solange die Arbeitszahl noch im Rahmen bleibt. Dein System ist bestimmt nicht unterdimensioniert, das ist wahrscheinlich nur ein psychologischer Effekt, weil man jetzt wieder genauer auf das Display schaut.
Vielen Dank für die schnellen Antworten! Markus, das mit dem VDI 4645 Hinweis ist ein guter Punkt, ich werde das Sicherheitsventil und das MAG morgen prüfen. Thomas, das mit der Pumpenkennlinie ist ein interessanter Gedanke – ich hatte nach der Kühlphase manuell etwas gedrosselt, um Strom zu sparen, vielleicht habe ich da zu viel des Guten getan. Es beruhigt mich, dass ihr das als normal empfindet. Ich werde den Druck heute Abend kontrollieren und gegebenenfalls nachfüllen lassen. Falls der Druck passt, warte ich einfach ab, wie sich das System bei Dauerlast im Dezember verhält. Die Förderung nach BEG habe ich damals nur bekommen, weil die Berechnung auf eine längere Laufzeit ausgelegt war, daher sollte die Effizienz ja eigentlich stabil bleiben.
Hallo zusammen, darf ich mich kurz einklinken? Ich plane gerade eine ähnliche Anlage für meinen Neubau und bin durch eure Diskussion nun etwas verunsichert. Wenn die Regeneration im Sommer das System im Herbst negativ beeinflusst, ist das dann überhaupt effizient? Meine Planung sieht eine Sole-WP mit passiver Kühlfunktion vor, um im Sommer nicht mit einer Klimaanlage kühlen zu müssen. Ist das Risiko einer thermischen Erschöpfung bei korrekter Auslegung nach geltendem GEG eigentlich ein Thema? Wenn Jens bereits nach vier Jahren diese Effekte merkt, frage ich mich, ob man die Sonde dann vielleicht doch tiefer bohren sollte, als es der Standard-Energieberater vorschlägt. Über eine kurze Einschätzung zu diesem Planungsansatz wäre ich sehr dankbar.
Guten Tag Frau F., lassen Sie sich nicht verunsichern. Die Kühlleistung ist bei privater Nutzung meist zu gering, um das Erdreich wirklich langfristig zu schädigen. Was Jens beobachtet, ist eher ein lokales Temperaturgefälle. Die Entzugsleistung wird nach der VDI 4640 berechnet, und da sind Sicherheitsreserven eingeplant, die ein 'Erschöpfen' der Sonde bei normalem Wohnbetrieb ausschließen. Das Wichtigste ist die Qualität der Verpressung der Sonde und die Auslegung des Wärmetauschers. Solange diese Parameter stimmen, ist die passive Kühlung ein Gewinn für die Energiebilanz und den Komfort. Die Effekte, die hier beschrieben werden, liegen oft im Bereich von wenigen Kelvin und haben kaum Einfluss auf die Jahresarbeitszahl. Bauen Sie ruhig, lassen Sie aber unbedingt einen hydraulischen Abgleich nach der Installation durchführen, damit alles effizient läuft.
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