Hallo Leute, ich bräuchte mal euer Schwarmwissen für meine Kühlzellen-Steuerung. Seit es draußen merklich kühler wird, bemerke ich leichte Schwankungen in der Sauggasüberhitzung meiner Anlagen. Ich habe den Eindruck, dass durch die niedrigeren Verflüssigungstemperaturen das elektronische Expansionsventil etwas nervös reagiert und die Regelung ständig am Pendeln ist. Die Anlage steht in einer Halle, die zwar trocken ist, aber jetzt doch spürbar auskühlt. Ich überlege, ob ich den PID-Regler für das Einspritzverhalten anpassen sollte, um die Anlage in der Übergangszeit stabiler zu bekommen, bevor der richtige Frost kommt. Habt ihr bei euren Anlagen ähnliche Effekte beobachtet, sobald die Außentemperaturen fallen? Lohnt sich hier ein manueller Eingriff in die Regelungsparameter oder sollte ich das System einfach machen lassen? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen und Tipps zur Optimierung der Betriebssicherheit bei diesen wechselhaften herbstlichen Bedingungen.
Einstellung der Sauggasüberhitzung an Kühlzellen im Herbst
Hallo Jens, das Phänomen kenne ich nur zu gut. Wenn die Außentemperaturen sinken, sinkt bei verflüssigungsdruckgeführten Anlagen auch der Druck am Expansionsventil. Die Folge ist ein verringerter Differenzdruck über dem Ventil, was bei elektronischen Regelungen oft zu Instabilitäten führt, weil der K-Wert nicht mehr zum aktuellen Massenstrom passt. Ich würde an deiner Stelle nicht direkt am PID-Regler drehen, da du dir sonst bei wärmeren Außentemperaturen wieder Probleme einhandelst. Prüfe lieber, ob deine Verflüssigungsdruckregelung noch korrekt arbeitet. Eventuell ist die Ansteuerung des Lüfters oder die Druckhaltung nicht mehr auf die herbstlichen Lastprofile abgestimmt. Hast du mal die Überhitzungswerte während des Anfahrens geloggt?
Danke Markus für den schnellen Input. Das mit dem Differenzdruck klingt absolut logisch. Die Verflüssigungsdruckregelung regelt über den Lüfter, der im Moment sehr oft taktet, weil es in der Halle eben gerade so um die 12 Grad hat. Der Druckschwankungsbereich ist für den Sommerbetrieb optimiert, das scheint jetzt im Herbst das Problem zu sein. Ich werde morgen mal den Log-Ausdruck aus dem Regler ziehen und mir die Differenz zwischen Soll- und Istwert anschauen. Wenn die Regelung bei niedrigem Differenzdruck zu träge oder eben zu nervös agiert, muss ich vielleicht die Ansprechzeit des Ventils im Regler etwas dämpfen, ohne gleich das ganze PID-Verhalten zu verbiegen. Danke für den Hinweis mit dem Ventil-K-Wert!
Guten Tag Herr B., bei solch komplexen Regelungsproblemen in der Kältetechnik ist auch die ChemKlimaschutzV zu beachten. Eingriffe in die Parameter sollten stets mit dem Ziel der Betriebssicherheit gemäß den anerkannten Regeln der Technik erfolgen. Achten Sie bitte darauf, dass Änderungen am Kältekreisdokumentationsblatt festgehalten werden, falls Sie als zertifizierter Betrieb agieren. Ich empfehle Ihnen zudem, eine Prüfung gemäß VDI 4645 in Betracht zu ziehen, falls diese Anlage Teil eines größeren Wärmepumpenverbunds ist. Oft liegt bei solchen Pendelbewegungen schlicht ein Problem in der Sensorik vor, beispielsweise ein nicht korrekt befestigter Anlegefühler für die Überhitzung. Ein minimaler Versatz am Rohr kann bei kalten Umgebungstemperaturen durch Wärmeabstrahlung das Regelsignal massiv verfälschen.
Hi Jens, vergiss den komplizierten Kram mit der VDI erst mal kurz. Ich hatte das gleiche Problem in einem Kühlhaus letzten November. Wenn das EEV ständig nachregelt, ist das System bei den aktuellen Temperaturen einfach unterfordert. Die Kälteleistung ist zu hoch für das, was das Kühlgut im Moment an Wärme abgibt. Ich habe bei mir einfach die Überhitzungssollwerte um zwei Kelvin leicht angehoben. Das gibt dem Ventil etwas mehr Spielraum und nimmt die Hektik aus der Regelung, ohne dass die Anlage in einen unzulässigen Betriebsbereich abdriftet. Das ist in fünf Minuten erledigt und hat bei mir sofort für Ruhe gesorgt. Probier das mal aus, bevor du am Regler die PID-Werte komplett verstellst.
Hallo zusammen, kann mich Thomas nur anschließen. Der manuelle Eingriff in die Überhitzung ist in der Übergangszeit oft die pragmatischste Lösung für uns Praktiker. Man muss natürlich aufpassen, dass man nicht in den Bereich kommt, in dem der Verdichter das flüssige Kältemittel im Sauggas zu stark abkühlt, aber bei zwei Kelvin Toleranz ist man da absolut auf der sicheren Seite. Wir machen das bei unseren Bestandskunden im Herbst routinemäßig, wenn die Hallentemperaturen abfallen. Es ist erstaunlich, wie viel Energie man durch ein stabileres Regelverhalten sparen kann. Das schont auch die Elektronik des Expansionsventils, die durch das ständige Auf und Zu auf Dauer mechanisch leidet. Viel Erfolg beim Ausprobieren, Jens!
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