Sehr geehrte Fachkollegen, nach dem Einzug in unser neues Effizienzhaus 40 mit Wärmepumpe stehe ich vor der Herausforderung, die Heizkurve für die kalte Jahreszeit zu optimieren. Momentan ist das Gebäude durch die gute Dämmung sehr träge, weshalb die werksseitigen Einstellungen bei den ersten kühlen Nächten entweder zu warm oder zu kühl reagieren. Wie gehen Sie bei der Feinabstimmung vor? Sollte ich bei einer reinen Fußbodenheizung primär an der Steilheit schrauben oder ist die Parallelverschiebung das Mittel der Wahl, um die Vorlauftemperatur auf einem möglichst niedrigen Niveau zu halten? Ich suche nach einem systematischen Ansatz, um ohne unnötige Takterei durch die Übergangszeit zu kommen. Ich wäre Ihnen für eine Vorgehensweise sehr dankbar, mit der man sich ohne tagelanges Herumprobieren an ein stabiles Temperaturniveau herantasten kann. Gibt es hierbei spezifische Abhängigkeiten zur Außentemperatur-Grenztemperatur, die ich zwingend beachten sollte?
Anpassung der Heizkurve bei Fußbodenheizung – Steilheit vs. Parallelverschiebung
Guten Tag Frau Dr. R., das ist ein klassisches Problem bei Neubauten nach GEG-Standard. Die Trägheit ist bei einer FBH zwar ein Vorteil für die Effizienz, erschwert aber die Einstellung. Mein Rat als SHK-Meister: Lassen Sie die Parallelverschiebung vorerst in Ruhe und konzentrieren Sie sich bei Temperaturen unter fünf Grad Außentemperatur rein auf die Steilheit. Eine FBH im EH40 braucht meist sehr flache Kurven, oft im Bereich 0,2 bis 0,3. Senken Sie die Steilheit schrittweise, bis es nicht mehr ausreicht, und heben Sie dann nur bei Bedarf das Niveau leicht an. Achten Sie zwingend darauf, dass alle Thermostate voll offen sind. Ohne einen sauberen hydraulischen Abgleich nach VDI 4645 ist das Ganze sonst nur Raten im Trüben.
Hallo Sabine, ich habe das bei meinem Bauvorhaben letztes Jahr ähnlich gelöst. Ich bin nach der Methode 'Trial and Error' vorgegangen, aber mit System. Ich habe mir eine Excel-Tabelle angelegt und jeden Morgen die Raumtemperatur notiert. Wenn es bei 5 Grad draußen zu kalt wurde, habe ich die Steilheit um 0,1 angehoben. War es dagegen bei 15 Grad zu warm, habe ich die Heizgrenztemperatur etwas weiter nach unten korrigiert. Das Wichtigste ist wirklich Geduld. Ändere nie mehr als einen Parameter gleichzeitig und warte nach einer Anpassung mindestens 24 Stunden, bis sich das Gebäude thermisch eingeschwungen hat. Seit ich die Heizgrenze auf 14 Grad gesetzt habe, taktet die Wärmepumpe in der Übergangszeit kaum noch und der COP-Wert hat sich spürbar verbessert.
Vielen Dank für die hilfreichen Rückmeldungen. Markus, den Hinweis mit den voll geöffneten Thermostaten habe ich bereits umgesetzt, das hat schon einiges an Ruhe ins System gebracht. Die Steilheit steht aktuell auf 0,4, das scheint bei uns tatsächlich zu hoch zu sein, da die Räume bei Frost doch sehr warm werden. Jens, dein Ansatz mit der Heizgrenztemperatur ist ein sehr wertvoller Impuls. Ich werde die Steilheit jetzt schrittweise auf 0,25 senken und parallel dazu die Heizgrenze wie von dir empfohlen etwas reduzieren. Es ist faszinierend, wie präzise man das Gesamtsystem durch diese kleinen Stellschrauben beeinflussen kann. Ich werde die nächsten Tage beobachten, wie sich die Vorlauftemperatur unter diesen geänderten Bedingungen verhält und dann gegebenenfalls nachjustieren.
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