Servus zusammen, ich bin gerade mitten im Umbau auf Wärmepumpe. Mein Haus ist Baujahr 1995, wir haben überall normale Heizkörper und nur im Bad Fußbodenheizung. Ich will den Monoblock jetzt in Betrieb nehmen und frage mich, ob ich mit 45 Grad Vorlauftemperatur durch den ersten Winter komme, wenn es mal richtig knackig kalt wird. Die Heizlastberechnung habe ich grob überschlagen, aber die Praxis sieht ja oft anders aus. Falls die 45 Grad nicht reichen, muss ich wohl die Heizkurve anpassen oder im Wohnbereich doch noch mal Heizkörper tauschen, die mehr Fläche bieten. Wie sind eure Erfahrungswerte bei ähnlichen Bestandsgebäuden mit Standard-Heizkörpern? Macht es Sinn, die Thermostate jetzt schon voll aufzudrehen und die Temperatur nur über den Vorlauf zu steuern, um das System kennenzulernen? Ich will halt vermeiden, dass ich im Januar im Kalten sitze und dann noch am System basteln muss.
Heizlast im Altbau: Reicht Vorlauftemperatur 45 Grad?
Hallo Karsten, das ist eine klassische Herausforderung beim Umstieg auf Wärmepumpen. Bei einem 95er Baujahr sollten die Gebäudehülle und die Dämmung eigentlich solide sein, was schon mal die halbe Miete ist. Als SHK-Meister rate ich Ihnen dringend, vor dem Winter einen ordentlichen hydraulischen Abgleich nach VDI 4645 durchzuführen. Ohne diesen wird die Wärmepumpe unnötig gegen die Widerstände im System arbeiten, was die Effizienz massiv drückt. Bezüglich der 45 Grad Vorlauf: Wenn Sie die Thermostate voll aufdrehen, ist das genau der richtige Weg, um die Heizkurve optimal einzustellen. So sehen Sie in den kommenden Wochen, welche Räume bei welcher Außentemperatur zu kühl werden. Falls einzelne Zimmer nicht warm genug werden, ist ein Austausch der Heizkörper gegen Typ 33 Modelle oft sinnvoller, als den Vorlauf künstlich hochzujagen. Die Wärmepumpe dankt es Ihnen mit deutlich besseren Arbeitszahlen.
Hi Karsten, ich habe das Projekt Wärmepumpe bei meinem Altbau letztes Jahr durchgezogen und kann dir sagen: Entspann dich etwas! Ich habe die Heizkurve nach dem Trial-and-Error-Prinzip eingestellt. Einfach alle Thermostate abmontiert oder komplett auf fünf gestellt und dann täglich die Raumtemperaturen notiert. Bei mir haben anfangs 42 Grad Vorlauf bei minus fünf Grad Außentemperatur gereicht, wobei ich in zwei Zimmern die Heizkörper gegen größere getauscht habe, weil die alten einfach zu wenig Fläche hatten. Das hat den entscheidenden Unterschied gemacht. Dein Vorhaben, das System jetzt im Herbst kennenzulernen, ist absolut goldrichtig. Wenn es im Januar wirklich knackig wird, hast du die Kurve längst im Griff. Aber vergiss nicht, den Volumenstrom ordentlich zu prüfen, sonst taktet die Kiste nur.
Karsten, kurz und knapp: 45 Grad sind als Obergrenze für eine Wärmepumpe im Bestandsbau oft schon grenzwertig für eine effiziente Förderung gemäß GEG-Kontext. Sollten Sie tatsächlich dauerhaft darüber liegen, sinkt die Jahresarbeitszahl rapide ab. Mein Tipp: Prüfen Sie kritisch, ob alle Heizflächen wirklich durchströmt werden. Oft sind bei Altbauten die voreinstellbaren Ventile korrodiert oder sitzen fest. Wenn Sie den Selbsteinbau wagen, stellen Sie sicher, dass die elektrische Installation durch eine Elektrofachkraft abgenommen wurde, falls Sie da selbst Hand angelegt haben. Wenn es im Januar doch zu kalt wird, können Sie kurzfristig über den Heizstab zuheizen, aber das sollte nur die absolute Notlösung sein. Beobachten Sie die Spreizung bei verschiedenen Außentemperaturen, dann ergibt sich die optimale Kurve fast von selbst.
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