Moin Leute, unsere Klimaanlage besitzt eine Heizfunktion. Ich frage mich, ob es sinnvoll ist, damit im Winter zu heizen. Verbraucht das bei -10 Grad Außentemperatur nicht extrem viel Strom, sodass der Wirkungsgrad komplett in den Keller geht? Mich würde mal interessieren, wie stark die Leistungszahl (COP) bei Frost tatsächlich abfällt. Zudem wüsste ich gerne, ab welcher Temperatur der elektrische Zusatzheizstab üblicherweise dazugeschaltet wird. Hat da jemand Erfahrungswerte?
Kann ich meine Split-Anlage im Winter zum Heizen nutzen?
Hallo Daniel, das ist eine absolut berechtigte Frage. Moderne Inverter-Split-Geräte funktionieren im Prinzip wie Luft-Luft-Wärmepumpen. Bei moderaten Plusgraden arbeiten diese Systeme wirklich effizient. Sobald die Außentemperaturen jedoch in den Minusbereich rutschen, sinkt die Heizleistung ab, während der Stromverbrauch durch die notwendigen Abtauzyklen der Außeneinheit ansteigt, da dem Kreislauf kurzzeitig Wärme entzogen wird. Du musst wissen, dass die meisten Split-Geräte gar keinen klassischen Heizstab besitzen, wie man ihn von Wasser-Wärmepumpen kennt. Ihre Leistung ist daher durch die physikalische Umgebungstemperatur und die Vereisungsgrenze am Verdampfer begrenzt.
Ich nutze meine Split-Klimaanlage mittlerweile seit drei Jahren als Ergänzung zu meiner bestehenden Gasheizung. Dabei ist mir aufgefallen: Sobald die Außentemperaturen Richtung minus 10 Grad sinken, lässt die Heizleistung durch die physikalische Grenze des Kältemittels und die Vereisung des Wärmetauschers spürbar nach. Damit die Bude trotzdem warm bleibt, muss der Kompressor im oberen Leistungsbereich laufen, was den COP-Wert massiv drückt. Während das System in der Übergangszeit sehr effizient arbeitet, ist meine Wärmepumpe im Keller bei tiefen Minustemperaturen im Vorteil, da sie das Heizungswasser direkt für die Flächenheizung aufbereitet, was bei niedrigen Vorlauftemperaturen deutlich träger und damit stabiler arbeitet.
Vielen Dank für die Rückmeldung. Wenn ich das richtig verstehe, sollte ich die Anlage bei extrem niedrigen Temperaturen also besser nicht im Dauerbetrieb laufen lassen, sondern nur gezielt einsetzen. Mich beschäftigt vor allem die Effizienz. Lohnt sich der Betrieb mit Blick auf die COP-Werte bei minus 10 Grad überhaupt noch? Oder ist die Effizienz dann so schlecht, dass die Stromkosten den Nutzen übersteigen und ich fast genauso gut einen einfachen elektrischen Heizlüfter verwenden könnte? Die Frostschutzfunktion hält zwar die Mindesttemperatur im Raum, ist aber nicht zum aktiven Heizen gedacht.
Vorsicht bei diesem Vergleich, Daniel! Ein einfacher elektrischer Heizlüfter arbeitet lediglich mit einem COP von 1,0, das heißt, die aufgenommene elektrische Energie wird zu 100 % in Wärme umgewandelt. Deine Klimaanlage schneidet selbst bei Außentemperaturen von minus 10 Grad deutlich besser ab; hier erreichst du oft noch Werte zwischen 1,5 und 2,0. Das bedeutet, dass aus jeder Kilowattstunde Strom 1,5 bis 2,0 Kilowattstunden Wärme erzeugt werden. Damit ist das System im direkten Vergleich immer noch wesentlich effizienter als eine reine Direktheizung. Ein integrierter Heizstab ist bei Split-Geräten ohnehin meist nur im Innengerät verbaut und dient in der Regel primär dazu, das Abtauen bei Frost zu unterstützen. Wenn du planst, das System dauerhaft als primäre Wärmequelle zu nutzen, solltest du dir unbedingt die Vorgaben der VDI 4645 genau anschauen.
Als SHK-Fachmann ergänze ich hier gerne: Viele renommierte Hersteller geben eine Heizleistung bis zu Temperaturen von minus 15 oder gar minus 25 Grad an. Wichtig ist jedoch, dass die Anlage technisch für das spezifische Kältemittel und den notwendigen Ölrücklauf bei solch niedrigen Temperaturen ausgelegt ist. Dies stellt sicher, dass der Kompressor auch bei extremen Minusgraden ausreichend geschmiert wird und die Leistung konstant bleibt. Zusätzlich schreibt die ChemKlimaschutzV eine regelmäßige Dichtheitsprüfung vor. Da Sie beim Heizen die Anlage nahezu ganzjährig betreiben, verkürzen sich die Wartungsintervalle entsprechend. Diese Prüfungen sind entscheidend, um Kältemittelverluste zu vermeiden und die Betriebssicherheit zu gewährleisten. Das sollten Sie in Ihrer Planung berücksichtigen.
Wir nutzen unsere Split-Anlage im Winter tatsächlich ziemlich häufig. Wenn ein Raum schnell warm werden soll, geht das über die direkte Wärmeabgabe per Konvektion viel flinker als über unsere träge Fußbodenheizung. Die schnellen Reaktionszeiten sind ein klarer Vorteil. Ein kleiner Tipp aus der Praxis: Man sollte unbedingt darauf achten, nicht direkt im Luftstrom zu sitzen, da die hohe Gebläsedrehzahl auf Dauer doch etwas ungemütlich werden kann. Für uns stellt diese Lösung eine perfekte Ergänzung zum GEG-konformen Heizen dar, besonders wenn es zwischendurch mal schnell gehen muss. Die Heizfunktion ist hierbei als Zusatzheizung zu sehen und nicht als primäre Wärmequelle, insbesondere bei tiefen Außentemperaturen.
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