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Thermodynamik der Zubadan-Injektion: Wie Mitsubishi Electric Luft-Wasser-Wärmepumpen bei arktischen Außentemperaturen stabilisiert
Wärmepumpen 20. September 2026

Thermodynamik der Zubadan-Injektion: Wie Mitsubishi Electric Luft-Wasser-Wärmepumpen bei arktischen Außentemperaturen stabilisiert

Die Flash-Injection-Technologie von Mitsubishi Electric verhindert den typischen Leistungsabfall bei Minustemperaturen. Ein technischer Tiefeneinblick in Kältekreis, Enthalpie und Jahresarbeitszahlen.

Klimacorner Redaktion

Thermodynamische Herausforderungen im winterlichen Wärmepumpenbetrieb

Klassische Luft-Wasser-Wärmepumpen stehen bei sinkenden Außentemperaturen vor einer physikalischen Grundsatzproblematik des Kreisprozesses: Je größer die Temperaturspreizung zwischen der Umgebungsluft als Umweltwärmequelle und der benötigten Vorlauftemperatur des Heizkreises ausfällt, desto drastischer sinkt die Leistungszahl (COP). Sinkt die Außenlufttemperatur beispielsweise von +7 °C auf -15 °C ab, nimmt das spezifische Volumen des gasförmigen Kältemittels an der Saugseite des Verdichters massiv zu. Die Dichte des angesaugten Kältemitteldampfes sinkt, wodurch der effektive Kältemittel-Massenstrom im Kompressor einbricht.

Die Konsequenz in der Praxis: Während die Heizlast eines Gebäudes nach DIN EN 12831 bei extremer Kälte ihr Maximum erreicht, verliert eine unmodifizierte Standard-Wärmepumpe bis zu 40 bis 50 Prozent ihrer nominalen Heizleistung. Planer sahen sich in der Vergangenheit häufig gezwungen, Anlagen drastisch überzudimensionieren oder überdimensionierte elektrische Heizstäbe (Direktheizungen) einzusetzen, was die Jahresarbeitszahl (JAZ) gemäß VDI 4650 massiv schmälert. Mitsubishi Electric begegnet dieser physikalischen Restriktion mit der patentierten Zubadan Flash-Injection-Technologie, die den Kompressionskälteprozess grundlegend stabilisiert.

Der Zubadan-Kältekreis: Flash-Injection und Economizer-Zwischeneinspritzung

Das thermodynamische Herzstück der Zubadan-Außengeräte (unter anderem in der Ecodan-Serie eingesetzt) bildet ein zweistufig gekoppelter Kältekreis mit Zwischeneinspritzung. Anstelle einer einfachen einstufigen Entspannung nutzt Mitsubishi Electric einen internen Economizer (Plattenwärmetauscher als Unterkühler) sowie ein mikroprozessorgesteuertes elektronisches Expansionsventil (EEV).

Funktionsprinzip der Kältemitteleinspritzung

  1. Verflüssigung und Teilmengenabzweig: Nach dem Austritt aus dem luftgekühlten Verflüssiger bzw. Plattenwärmetauscher im Innenmodul wird das flüssige Kältemittel vor dem Haupt-Expansionsventil aufgeteilt. Ein Teilstrom wird über ein präzises Einspritzventil geführt und auf ein mittleres Druckniveau teilentspannt.
  2. Enthalpieerhöhung im Economizer: Dieser kühlere Teilstrom durchströmt den Plattenunterkühler und entzieht dem Hauptkältemittelstrom weitere Wärme. Dadurch wird das Hauptkältemittel signifikant unterkühlt, was im h-log-p-Diagramm zu einer Verschiebung des Expansionsstartpunkts weit nach links führt. Die nutzbare Verdampfungsenthalpie steigt beträchtlich.
  3. Direkte Injektion in den Scroll-Verdichter: Der dampfförmige oder nassdampfförmige Teilstrom wird über eine eigens entwickelte Injektionsöffnung direkt in die geschlossenen Taschen des Scroll-Verdichters eingeblasen – genau zwischen Ansaugtakt und Hochdruck-Auslass. Dies kühlt den Verdichterkopf, verhindert unzulässig hohe Heißgastemperaturen und erhöht gleichzeitig den Gesamtmassenstrom des Kältemittels im System.

Durch diese permanente Massenstromkompensation hält das Zubadan-System seine nominale Heizleistung bis zu einer Außentemperatur von -15 °C zu 100 Prozent konstant, ohne dass eine elektrische Zusatzheizung einspringen muss. Erst bei Temperaturen unterhalb von -15 °C bis zur Einsatzgrenze von -28 °C setzt eine graduelle Leistungsreduktion ein.

Thermodynamischer Vergleich: Standard-Inverter versus Zubadan-System

Die Vorteile dieser Schaltung spiegeln sich in den Kenndaten wider. Folgende Tabelle illustriert das Betriebsverhalten einer 10-kW-Wärmepumpe bei typischen Norm-Außentemperaturen und einer Auslegungs-Vorlauftemperatur von 45 °C (Sanierungsfall mit Heizkörpern):

| Betriebspunkt (Außen / Vorlauf) | Heizleistung Standard-Inverter | COP Standard | Heizleistung Zubadan Ecodan | COP Zubadan Ecodan | Leistungsstabilität | | :--- | :--- | :--- | :--- | :--- | :--- | :--- | :--- | :--- | :--- | :--- | :--- | | A7 / W35 | 10,0 kW | 4,85 | 10,0 kW | 4,92 | 100 % | | A2 / W45 | 8,2 kW | 3,40 | 10,0 kW | 3,55 | 100 % | | A-7 / W45 | 6,3 kW | 2,45 | 10,0 kW | 2,75 | 100 % | | A-15 / W45 | 4,9 kW | 1,85 | 10,0 kW | 10,0 kW | 2,20 | 100 % | | A-20 / W55 | 3,2 kW (inkl. Stab) | 1,30 | 7,4 kW | 1,85 | ca. 74 % |

Die Gegenüberstellung verdeutlicht: Während die Standardanlage bei -15 °C mehr als die Hälfte ihrer thermischen Leistung einbüßt und den Einsatz eines 4- bis 6-kW-Heizstabs erzwingt, erbringt die Zubadan-Maschine die vollen 10,0 kW rein kältetechnisch. Für die Jahresarbeitszahl bedeutet dies den Wegfall von Ineffizienzspitzen im Winterbetrieb.

Hydraulische Einbindung und Systemoptimierung im Gebäudebestand

Die Fähigkeit, selbst bei tiefem Frost Vorlauftemperaturen von bis zu 60 °C bis 65 °C ohne Zuheizer bereitzustellen, prädestiniert die Ecodan-Zubadan-Baureihe für Modernisierungsprojekte im Bestand. Um die Effizienzpotenziale voll auszuschöpfen, kommt es auf eine saubere hydraulische Planung an:

Mindestvolumenstrom und Abtauenergie

Besonderes Augenmerk verlangt der Abtauprozess (Kreislaufumkehr). Beim inversen Betrieb fungiert der Innenwärmetauscher kurzzeitig als Verdampfer, um den vereisten Außen-Lamellenwärmetauscher schnell abzutauen. Die patentierte Heißgas-Bypassregelung von Mitsubishi Electric verkürzt diese Abtauintervalle auf unter 3 Minuten. Dennoch muss im Heizkreis stets ausreichend thermische Masse vorhanden sein, um ein Unterschreiten der minimalen Rücklauftemperatur zu verhindern. Ein Reihenspeicher im Rücklauf mit Überströmventil oder eine hydraulische Weiche sichert den geforderten Mindestvolumenstrom gemäß Herstellerangaben zuverlässig ab.

Druckverlustoptimierung und Spreizung

Für den optimalen Carnot-Gütegrad sollte die Temperaturdifferenz (Spreizung $\Delta T$) zwischen Vor- und Rücklauf bei ca. 5 K im Auslegungspunkt liegen. Bei einem 10-kW-Aggregat erfordert dies einen Kaltwasser-Massenstrom von rund: $$\dot{m} = \frac{\dot{Q}}{c \cdot \Delta T} = \frac{10,\text{kW}}{4{,}18,\frac{\text{kJ}}{\text{kg}\cdot\text{K}} \cdot 5,\text{K}} \approx 0{,}48,\frac{\text{kg}}{\text{s}} \approx 1{,}72,\frac{\text{m}^3}{\text{h}}$$ Die Rohrleitungsdimensionierung und die Auswahl der Umwälzpumpe müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass der Druckverlust im Gesamtsystem unter 25 bis 30 kPa verbleibt. Dies vermeidet unnötige parasitäre Stromverbräuche der Hocheffizienzpumpe.

Normen, Förderstandards und Jahresaufwandszahlen (JAZ)

In der Praxis wird die Gesamteffizienz nach EN 14825 über den saisonalen Leistungskoeffizienten (SCOP) bilanziert. Für die Förderfähigkeit nach den aktuellen Richtlinien der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bzw. die KfW ist das Erreichen bestimmter jahreszeitlicher Raumheizungs-Energieeffizienzen ($\eta_s$) vorgeschrieben. Für Luft-Wasser-Systeme liegt der geforderte Mindestwert typischerweise bei 145 % bei Niedertemperatur (35 °C) bzw. 125 % bei Mitteltemperatur (55 °C).

Die Zubadan-Generationen übertreffen diese Vorgaben deutlich. Dank intelligenter Inverter-Drehzahlregelung der bürstenlosen Gleichstrommotoren (BLDC) arbeitet die Wärmepumpe im Teillastbereich, der in Mitteleuropa mehr als 85 Prozent der Heizperiode ausmacht, mit überdurchschnittlich hohen Leistungszahlen von COP > 4,2. Gleichzeitig sichert die Mitsubishi Electric Steuerungsplattform MelCloud eine netzdienliche Schnittstellenanbindung nach § 14a EnWG, sodass Netzbetreiber bei drohender Überlastung Steuerungssignale übergeben können, ohne den Komfort im Wohnraum zu gefährden.

Fazit und Planungsempfehlung

Die Kältekreisinnovation der Flash-Injection hat Mitsubishi Electric zu einem Maßstab für Sanierungsvorhaben und anspruchsvolle Klimaregionen gemacht. Der Verzicht auf überdimensionierte Verdichtergrößen und das Ausbleiben teurer elektrischer Nachheizung führen zu signifikant besseren Jahresaufwandszahlen nach DIN V 4701-10 und VDI 4650. Fachhandwerker und Planer erhalten damit ein verlässliches Werkzeug, um auch Gebäude mit klassischen Radiatoren wirtschaftlich auf regenerative Wärme umzustellen.

Für Fachhandwerker, Fachplaner und Endkunden, die moderne Wärmepumpensysteme, Inverter-Klimaanlagen und Zubehör für anspruchsvolle Heiz- und Kühlkonzepte suchen, bietet www.klimacorner.de ein spezialisiertes Produktsortiment sowie umfassende technische Beratung für eine zukunftssichere Gebäudeausrüstung.

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Bildverweise

  1. 1.Quelle: Mitsubishi Electric Living Environment Systems, VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt, BAFA
  2. 2.Bild: Mitsubishi Electric Europe B.V.
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