
Daikin Multi Split Klimasysteme für den Wohnungsbau
Moderne Daikin Multi-Split-Lösungen kühlen Wohngebäude effizient und nachhaltig. Der Artikel erklärt die Einhaltung der DIN 4108-2 beim sommerlichen Wärmeschutz.
Die thermische Behaglichkeit in Wohngebäuden während der Sommermonate hat sich von einem sekundären Komfortaspekt zu einem zentralen Kriterium moderner TGA-Fachplanung entwickelt. Angesichts längerer Hitzeperioden und tropischer Nächte stoßen passive Maßnahmen des baulichen Wärmeschutzes nach DIN 4108-2 bei hochgedämmten Gebäudehüllen im Neubau und Sanierungsbestand zunehmend an funktionale Grenzen. Ist die Speichermasse massiver Bauteile erst einmal gesättigt, verbleiben Raumlufttemperaturen und Enthalpiewerte über Tage hinweg auf einem Niveau, das die Erholungsphasen der Bewohner drastisch einschränkt. Vor diesem Hintergrund gewinnt die gezielte aktive Kühlung über invertergesteuerte Direktverdampfungssysteme (DX) und hybride Raumklimakonzepte von Daikin wie die Split-Serien Emura, Perfera oder das Kombisystem Multi+ rasant an Bedeutung.
Thermodynamische Grundlagen: Sensible vs. latente Kühllast und das Mollier-h,x-Diagramm
Für eine präzise Auslegung von Raumklimageräten im Wohnbereich reicht die reine Betrachtung von Raumtemperaturwerten nicht aus. Die thermodynamische Behaglichkeit, normativ verankert in der DIN EN ISO 7730 (PMV- und PPD-Indizes), wird maßgeblich durch das Zusammenspiel aus operativer Raumtemperatur, relativer Luftfeuchte, Luftgeschwindigkeit und Strahlungsasymmetrie bestimmt. Raumlufttechnisch muss die anfallende Gesamtkühllast stets in zwei Komponenten zerlegt werden:
- Sensible Kühllast (trockene Wärmeabfuhr): Resultiert aus solarer Einstrahlung durch transparente Außenbauteile, Transmissionswärme über Wände und Dächer, interner Wärmelasten durch Personen, Beleuchtung sowie elektrische Haushaltsgeräte.
- Latente Kühllast (Feuchteabfuhr): Entsteht primär durch menschliche Transpiration, Atmung, Kochen, Duschen und den Feuchtegehalt infiltrierender oder mechanisch eingebrachter Außenluft.
Während reine Flächenkühlsysteme (wie eine reversible Fußbodenkühlung via Wärmepumpe) systembedingt an die Taupunktgrenze gebunden sind – die Vorlauftemperatur darf im Estrich typischerweise 18 °C nicht unterschreiten, um Bauschäden durch Kondensatausfall zu verhindern –, entziehen Direktverdampfer dem Raum sowohl sensible als auch latente Wärme. Das Kältemittel verdampft im Lamellen-Wärmetauscher des Innengeräts bei etwa 4 bis 8 °C. Die vorbeiströmende Raumluft wird unter ihren Taupunkt abgekühlt, wodurch überschüssiger Wasserdampf kondensiert und gerichtet über die Kondensatleitung abgeführt wird. Die absolute Feuchte sinkt, wodurch die Raumluft im Mollier-h,x-Diagramm auf ein behagliches Enthalpieniveau verschoben wird.
Technische Kennzahlen und thermodynamischer Kreisprozess
Im Kühlbetrieb arbeitet die Kompressionskältemaschine nach dem umgekehrten Rankine-Kreisprozess. Das Kältemittel R32 (Difluormethan) zirkuliert in einem geschlossenen Kreislauf, angetrieben von einem drehzahlvariablen DC-Inverter-Rollkolbenverdichter (Swing-Verdichter von Daikin). Im Verdichter wird gasförmiges R32 isentrop verdichtet, wodurch Druck und Heißgastemperatur steigen. Im Außenwärmetauscher (Verflüssiger) gibt das Fluid die aufgenommene Wärme an die Außenluft ab und kondensiert isobar. Anschließend entspannt ein elektronisches Expansionsventil (EEV) das Kältemittel polytrop auf den Verdampfungsdruck. Im Innenverdampfer nimmt das siedende Gemisch schließlich die thermische Energie der Raumluft auf.
Die Leistungsfähigkeit des Prozesses wird maßgeblich durch den Energy Efficiency Ratio (EER) beziehungsweise den saisonalen Wert SEER gemäß DIN EN 14825 charakterisiert:
$$\text{EER} = \frac{\dot{Q}K}{P{el}}$$
$$\text{SEER} = \frac{\text{Kumulierter Kälteertrag über die Saison [kWh]}}{\text{Kumulierter Stromverbrauch über die Saison [kWh]}}$$
Der theoretische Grenz-Wirkungsgrad entspricht dem Carnot-Kältefaktor:
$$\varepsilon_C = \frac{T_0}{T_C - T_0}$$
wobei $T_0$ die absolute Verdampfungstemperatur und $T_C$ die Verflüssigungstemperatur in Kelvin darstellt. Dank moderner Inverter-Modulation und optimierter Wärmetauscherflächen erreichen Daikin-Systeme saisonale Kälteziffern (SEER) von über 8,5 bis 9,0, was der Energieeffizienzklasse A+++ entspricht.
| Systemparameter | Daikin Perfera (Mono-Split) | Daikin Emura 3 (Mono-Split) | Daikin Multi+ (DX + WW) | | :--- | :--- | :--- | :--- | | Nenn-Kälteleistung | 2,5 kW (bis 3,5 kW max.) | 2,5 kW (bis 3,2 kW max.) | Bis zu 5,2 kW (Summe DX) | | Kältemittel / GWP | R32 / 675 | R32 / 675 | R32 / 675 | | SEER (Kühlen) | Bis 8,65 (A+++) | Bis 8,75 (A+++) | Bis 7,80 (A++) | | Schalldruckpegel Innen (Flüster)| 19 dB(A) | 19 dB(A) | 19 - 21 dB(A) | | Sonderfunktionen | 2-Zonen-Sensor, Flash Streamer | 3D-Airflow, Thermo-Sensor | Warmwasserbereitung parallel zur Kühlung | | Steuerung / Vernetzung | Daikin Onecta App | Daikin Onecta App | Daikin Onecta App |
Daikin Multi+: Abwärmenutzung und Brauchwasserbereitung im Wohnbereich
Ein technologisches Highlight im Wohnungsbau stellt das System Daikin Multi+ dar. Bei konventionellen Split-Klimasystemen wird die aus dem Raum abgeführte Wärme ungenutzt an die Außenluft abgegeben. Das Multi+-Konzept bindet neben bis zu drei wand- oder deckenmontierten DX-Innengeräten einen bivalenten Warmwasserspeicher mit 90 oder 120 Litern Fassungsvermögen an dasselbe Außengerät an.
Thermodynamisch eröffnet dies im Sommerbetrieb energetische Synergien: Während in den Wohn- und Schlafräumen sensible und latente Kühllasten abgeführt werden, kann das System bedarfsgerecht über Umschaltventile die anfallende Verflüssigungswärme nutzen, um den Brauchwasserspeicher energetisch hocheffizient nachzuladen. Durch den Verzicht auf elektrische Zusatzheizstäbe während der Warmwasserbereitung wird der Gesamtprimärenergiebedarf der Wohneinheit massiv gesenkt. Dies entlastet nicht nur das Stromnetz an heißen Tagen, sondern unterstützt auch die Erfüllung der strengen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG).
Strömungsmechanik und Behaglichkeit im Innenraum: Zugluftfreie Luftführung
Ein wesentlicher Kritikpunkt bei unsachgemäß geplanten Klimasystemen ist das Phänomen von Zugerscheinungen, beschrieben durch das Zugluftrisiko DR (Draught Rate) nach ISO 7730:
$$DR = ((34 - t_{a,l}) \cdot (v_{a,l} - 0,05)^{0,62}) \cdot (0,37 \cdot v_{a,l} \cdot Tu + 3,14)$$
mit der lokalen Lufttemperatur $t_{a,l}$, der mittleren Strömungsgeschwindigkeit $v_{a,l}$ und dem Turbulenzgrad $Tu$. Liegt dieser Wert über 15 %, wird das Raumklima von den Nutzern als unangenehm empfunden.
Daikin begegnet diesem strömungsmechanischen Effekt durch zwei konstruktive Innovationen:
- Coanda-Effekt: Durch die aerodynamische Ausformung der Ausblaslamellen schmiegt sich der kühle Luftstrom an die Deckenkontur an, verteilt sich horizontal im Raum und sinkt erst nach Erwärmung langsam und verwirbelungsarm in den Aufenthaltsbereich ab. Die lokale Luftgeschwindigkeit bleibt dabei weit unterhalb der kritischen Grenze von 0,15 m/s.
- Intelligente Wärmebild- und Bewegungssensoren: Das System scannt über Infrarot-Arrays die Oberflächentemperatur von Böden und Wänden sowie die Position der anwesenden Personen ab. Der Luftstrom wird aktiv von Körpern weggelenkt, während thermische Hotspots im Raum gezielt angeblasen und neutralisiert werden.
Dimensionierungsbeispiel aus der Praxis
Zur Veranschaulichung der Kühllastberechnung dient ein typisches Dachgeschoss-Schlafzimmer in einem sanierten Einfamilienhaus (Grundfläche 22 m², Raumhöhe 2,6 m, Fensterausrichtung Südwest mit außenliegendem Sonnenschutz):
- Transmissionswärme ($Q_T$): ca. 450 W bei Auslegungstemperatur $34^\circ\text{C}$ außen / $22^\circ\text{C}$ innen
- Solare Einstrahlung ($Q_S$): ca. 550 W (mit g-Wert-Minderung)
- Interne Lasten ($Q_I$): 2 Personen à 80 W sensibel + Beleuchtung/Medien = 250 W
- Lüftungs- und Infiltrationslast ($Q_L$): 0,5-facher Luftwechsel = 380 W sensibel
- Summe sensible Kühllast: $450 + 550 + 250 + 380 = 1.630,\text{W}$
- Latente Last (Feuchteabfuhr): 2 Personen à 45 g/h $H_2O$ plus Außenluft = ca. $320,\text{W}$
- Gesamte Kühllast: $\dot{Q}_{ges} = 1.630,\text{W} + 320,\text{W} = 1.950,\text{W} = 1,95,\text{kW}$
Ein Daikin Perfera Wandgerät mit 2,0 kW oder 2,5 kW Nennkälteleistung deckt diesen Bedarf perfekt ab. Durch die Inverterregelung kann der Kompressor bis auf ca. 700 W Kälteleistung im Teillastbetrieb heruntermodulieren, wodurch ein kontinuierlicher, taktungsfreier und flüsterleiser Betrieb bei lediglich 19 dB(A) gewährleistet wird.
Fazit und Planungsempfehlung
Die Abfuhr von Kühllasten im Wohnbereich erfordert ein differenziertes Zusammenspiel aus baulichem Wärmeschutz und hochentwickelter Anlagentechnik. Daikin beweist mit seinen aktuellen Split- und Multi-Split-Lösungen sowie dem Multi+-System, dass aktive Kühlung weder energieintensiv noch unkomfortabel sein muss. Die exakte Kältemitteldosierung mit R32, modulierende Invertertechnologie und intelligente Sensorik ermöglichen behagliche Raumtemperaturen bei minimalem Strombedarf.
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Bildverweise
- 1.Quelle: Daikin Deutschland, Broschüre Split-Klimageräte / Multi+, Fachunterlagen zur DIN EN ISO 7730 und DIN 4108-2
- 2.Bild: Daikin Europe N.V.
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