
Kompaktlüftung mit DX-Inverter: S-Klima vereint MHI-Kältekreise
S-Klima integriert Mitsubishi Heavy Industries Inverter in RLT-Geräte. Das System erfüllt DIN EN 16798 und GEG-Anforderungen für effiziente Gebäudeenergiesysteme.
In modernen Nichtwohngebäuden und anspruchsvollen Gewerbeobjekten reicht eine isolierte Betrachtung von Raumlufttechnik (RLT) und Kälteerzeugung längst nicht mehr aus. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und steigende Anforderungen an den thermischen Raumkomfort nach DIN EN 16798 fordern hochintegrierte Gesamtlösungen, die minimale Primärenergiebedarfe mit präziser Enthalpieregelung kombinieren. Der Hamburger Klimatechnik-Spezialist S-Klima (Geschäftsbereich der Stulz GmbH) setzt hier mit seinen Kompaktlüftungsgeräten der Baureihen LXH und LRH an. Durch die direkte werkseitige Integration des Kommunikationsmoduls AHU-KIT-SP2 lassen sich die RLT-Zentralgeräte nahtlos an die drehzahlgeregelten Direktverdampfer-Außengeräte (DX) von Mitsubishi Heavy Industries anbinden.
Thermodynamische Grundlagen: Direkte Verdampfung versus Kaltwassersystem
Klassische Raumlufttechnische Anlagen arbeiten im Kühl- und Entfeuchtungsfall häufig mit indirekten Kaltwassernetzen (z. B. 7/12 °C Spreizung). Dabei entsteht ein doppelter Wärmeübergang: Das Kältemittel kühlt im Platten- oder Rohrbündelwärmeübertrager des Kaltwassersatzes zunächst das Trägermedium Wasser ab, welches anschließend über Umwälzpumpen zum Register des Lüftungsgerätes gefördert wird. Jeder Wärmeübertrager bedingt bauartbedingt eine treibende Temperaturdifferenz (Grädigkeit) von üblicherweise 2 bis 4 Kelvin, was die effektive Verdampfungstemperatur des Kältekreises absenkt.
Nach dem physikalischen Carnot-Prinzip sinkt die theoretische Leistungszahl $\varepsilon_{C} = T_0 / (T_c - T_0)$ einer Kältemaschine mit fallender Verdampfungstemperatur $T_0$ signifikant ab. In der Praxis führt jedes Kelvin niedrigere Verdampfungstemperatur zu einer Einbuße der Energieeffizienz (EER/COP) von etwa 2,5 bis 3,5 Prozent. Die Direktverdampfung (DX-Technik) eliminiert das sekundäre Kaltwassernetz: Das Kältemittel verdampft unmittelbar in den Kupferrohren des RLT-Registers im Luftstrom. Die Verdampfungstemperatur kann folglich um 4 bis 6 Kelvin angehoben werden (z. B. auf 6 bis 8 °C statt 2 bis 4 °C), wodurch der Verdichter bei identischer Kühlleistung mit einer geringeren Druckdifferenz arbeitet und signifikant weniger elektrische Antriebsleistung aufnimmt.
Intelligente Schnittstelle: Das AHU-KIT-SP2 von Mitsubishi Heavy Industries
Die regelungstechnische Herausforderung bei DX-Registern in RLT-Anlagen lag historisch in der Dynamik des Kältekreises: Variierende Außenluftzustände, stark schwankende Zuluftvolumenströme und rasche Lastwechsel führten bei einfachen Ein/Aus-Schaltungen zu Vereisungen, Kältemittelschlägen am Verdichter oder unzulässigen Zulufttemperaturschwankungen. Das bei den LXH- und LRH-Geräten von S-Klima implementierte AHU-KIT-SP2 löst dieses Problem durch eine kontinuierliche, bidirektionale Kommunikation mit der Inverterelektronik der Außengeräte.
Das Kit beinhaltet ein elektronisches Expansionsventil (EEV), Kältemitteltemperaturfühler für die Zweiphasen- und Sauggasleitung sowie eine intelligente Steuereinheit. Über normierte analoge Signale (0–10 V) oder serielle Feldbusanbindungen (Modbus RTU) übernimmt das Interface den kontinuierlichen Abgleich zwischen der Solllufttemperatur und dem thermodynamischen Zustand des Registers. Die interne Elektronik errechnet fortlaufend die aktuelle Überhitzung (Superheat) am Registerausgang und regelt den Öffnungsquerschnitt des EEV mit bis zu 480 Schritten mikrosekundengenau nach. Dadurch wird der Verdampfer stets mit maximaler Kältemittelmasse beaufschlagt, ohne dass unverdampfte Flüssigkeitströpfchen den Scroll-Kompressor der MHI-Außeneinheit gefährden.
Technische Gegenüberstellung: Systemeffizienz und Betriebsparameter
| Parameter / Kriterium | Konventionelles System (Kaltwasser + RLT) | S-Klima DX-Lüftung (LRH/LXH + AHU-KIT) | | :--- | :--- | :--- | | Kälteträgermedium im Gebäude | Wasser / Wasser-Glykol-Gemisch | Kältemittel R32 / R410A direkt im Register | | Typische Verdampfungstemperatur | +2 °C bis +4 °C | +7 °C bis +10 °C | | Wärmeübertragungsverluste | 2 Übergänge (Kältemittel/Wasser + Wasser/Luft) | 1 Übergang (Kältemittel/Luft direkt) | | Pumpenenergiebedarf | 80 bis 250 W je kW Kälteleistung (kontinuierlich) | 0 W (keine Kaltwasserpumpen erforderlich) | | Saisonaler Kühlwirkungsgrad (SEER) | ca. 4,2 bis 5,1 (Gesamtsystem) | ca. 6,3 bis 7,8 (invertergeregelt) | | Abtau- und Heizbetrieb | Träge Umschaltung / Zusatzheizregister nötig | Schnelle Kältekreisumkehr (DX-Wärmepumpenbetrieb) | | Ansprechzeit auf Lastsprünge | 3 bis 8 Minuten (hydraulische Trägheit) | < 30 Sekunden (Inverter-Frequenzanpassung) |
Auslegung, Enthalpie und Feuchtemanagement nach DIN EN 13779 und VDI 6022
Im Lüftungsbetrieb steht häufig nicht allein die sensible Lastabfuhr, sondern die latente Entfeuchtung im Fokus. Bei einer Außentemperatur von 32 °C und 60 % relativer Feuchte weist die Außenluft einen absoluten Feuchtegehalt von $x = 18,2,\text{g/kg}$ trockener Luft und eine spezifische Enthalpie von $h = 78,8,\text{kJ/kg}$ auf. Um die Luft auf behagliche $t_{\text{zu}} = 18,^\circ\text{C}$ und $x_{\text{zu}} = 9,0,\text{g/kg}$ einzukonditionieren, muss das Register die Luft zwingend unter ihren Taupunkt ($t_{\tau} = 23,2,^\circ\text{C}$) abkühlen.
Die Dimensionierung der Register in den S-Klima Kompaktgeräten berücksichtigt den erforderlichen Befeuchtungsgrad und scheidet das anfallende Kondensat über strömungsoptimierte Tropfenabscheider nach VDI 6022 hygienekonform ab. Im Reversierbetrieb schaltet der Kältekreis auf Wärmepumpenfunktion um: Das Register fungiert als Verflüssiger und heizt die Außenluft mit hohen Leistungszahlen (SCOP > 4,2) vor, ohne dass fossil befeuerte Nacherwärmer aktiviert werden müssen. Die integrierten hocheffizienten Rotations- (LRH) oder Gegenstrom-Plattenwärmeübertrager (LXH) erreichen dabei Trocken-Rückwärmzahlen von über 80 Prozent, was den Kälte- und Heizleistungsbedarf der MHI-Inverteraggregate drastisch senkt.
Inverter-Steuerung und Netzintegration im Zeichen von § 14a EnWG
Ein wesentlicher Vorteil der Mitsubishi Heavy Industries DX-Außengeräte, die S-Klima exklusiv in Deutschland vertreibt, ist der Einsatz von DC-Inverter-Doppelrollkolben- bzw. Scroll-Verdichtern mit Neodym-Dauermagnetmotoren. Die Frequenzmodulation von 15 bis 120 Hz erlaubt eine stufenlose Anpassung an die geforderte RLT-Leistung. Damit entfallen verlustbehaftete Taktzyklen, die bei traditionellen Kaltwassersätzen zu erhöhtem mechanischem Verschleiß und Netzrückwirkungen führen.
Für den normkonformen Betrieb im deutschen Niederspannungsnetz erfüllt die Systemkombination die Anforderungen nach § 14a EnWG. Über definierte Steuerkontakte oder digitale Schnittstellen der CompTrol-Plattform kann der Netzbetreiber im Bedarfsfall eine netzdienliche Leistungsbegrenzung signalisieren, ohne dass das Lüftungssystem vollständig stillgesetzt werden muss. Das Gerät passt in diesem Szenario den Verdichterstrom an und hält den hygienischen Mindestluftwechsel aufrecht.
Fazit und Praxishinweis
Die Verknüpfung von standardisierten RLT-Kompaktlüftungsgeräten mit modernster DX-Inverter-Außentechnik stellt eine der energieeffizientesten Lösungen für die gewerbliche Klimatechnik dar. Planer und Anlagenbauer sparen aufwendige Hydraulikkomponenten, Frostschutzüberwachungen von Kaltwassernetzen und reduzieren die Montagezeiten auf der Baustelle signifikant.
Für Fachhandwerker, TGA-Fachplaner und Anlagenbetreiber bietet Klimacorner.de umfassende herstellerübergreifende Beratung, detaillierte Auslegungssoftware sowie ein breites Sortiment an moderner Kälte- und Wärmepumpentechnik, Klimageräten und passendem Zubehör führender Markenhersteller.
Hersteller-Videos und Social Media
Passende Videos des Herstellers:
- S-Klima Markenfilm: Intelligente Klimatechnik und Systemlösungen
- Mitsubishi Heavy Industries DX Systems and RLT Interface Explained
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Bildverweise
- 1.Quelle: S-Klima / STULZ GmbH Fachberichte, Technische Dokumentation Mitsubishi Heavy Industries, DIN EN 14825 / VDI 6022
- 2.Bild: S-Klima / Mitsubishi Heavy Industries Technical Archives
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